Statt einer Blechlawine, die sich Stoßstange an Stoßstange durch die verstopften Straßen der niedersächsischen Hauptstadt schiebt, sollen ab 2030 vor allem Fahrräder und Fußgänger in Hannover bevorzugt werden. Anwohnende mit Privatparkplatz sowie Lieferwagen und Taxis dürfen die Innenstadt weiterhin befahren – allerdings mit maximal Tempo 30. Für alle anderen stehen 10.000 Parkplätze in Parkhäusern an den Rändern der City bereit. In der Innenstadt selbst soll es nur noch für behinderte Personen öffentliche Parkplätze geben. Stattdessen wird Platz geschaffen für Grünflächen, breite Radwege, Fußgängerzonen und Nahverkehrsangebote. „Wir arbeiten intensiv an der Transformation der Stadt in Verbindung mit der erforderlichen Mobilitätswende“, erklärt Onay. „Die Innenstadt bekommt durch die vorgestellten Maßnahmen Rückenwind für eine nachhaltige und klimafreundliche Entwicklung.“ Zudem stärke das Konzept aber auch das Zentrum als resilienten Einzelhandels- und Wirtschaftsstandort. Es ginge gar nicht darum, einfach alle Autos aus der Stadt zu verbannen. Vielmehr solle das Verkehrskonzept allen Menschen ermöglichen, ohne Probleme in die City gelangen und dort eine gute Zeit und einen angenehmeren Aufenthalt haben zu können.
Autofreie Innenstädte: Verkehrsmittel müssen sich ergänzen
Genau das ist das Ziel der „grünen Mobilität“. Statt einen Fokus auf den Individualverkehr zu legen, steht die Mobilität der Menschen als solche im Vordergrund – ermöglicht durch ein durchdachtes, aufeinander abgestimmtes umweltfreundliches und nachhaltiges Verkehrssystem. Die Menschen sollen sich flexibel und ihren Bedürfnissen entsprechend im Raum bewegen, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Ein einzelnes Verkehrsmittel wird in der Regel nicht die Lösung sein. Vielmehr geht es um das Zusammenspiel der verschiedenen Verkehrsträger: Bus und Bahn ergänzen sich mit Car- und Bike-Sharing, gut ausgebaute Rad- und Fußwege machen die letzten kurzen Strecken zum Ziel attraktiv. Die Abkehr von Verbrennungsmotor und fossilen Kraftstoffen sorgt für saubere Luft – sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Gerade in den weniger dicht besiedelten Regionen braucht es deswegen ein gut ausgebautes Ladesäulennetz für E-Auto-Fahrende. Aber auch der öffentliche Personennahverkehr muss gerade in den ländlichen Regionen wieder deutlich mehr Auftrieb bekommen. Denn klar ist: Haben die Menschen keine Alternative zum eigenen Diesel oder Benziner, können sie schlicht nicht auf grüne Mobilitätsmittel umsteigen.