Um stolze zwei Milliarden Tonnen – sechs Prozent – sind die weltweiten Emissionen des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO₂) im vergangenen Jahr gesunken – der größte Rückgang energiebezogener CO₂-Emissionen seit dem Zweiten Weltkrieg, meldete die Internationale Energieagentur (IEA). Zu verdanken hat die Umwelt diesen Rückgang allerdings nicht den gebündelten Anstrengungen der Weltgemeinschaft. Vielmehr hat die Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen in Wirtschaft und Verkehr dafür gesorgt, dass vor allem in der ersten Hälfte 2020 weniger CO₂ in die Atmosphäre entlassen wurde. Allein im April 2020 lagen die globalen CO₂-Emissionen 17 Prozent unter dem Wert von 2019. Zum Jahresende hatte sich das Blatt allerdings wieder gedreht: Im Dezember lagen die CO₂-Emissionen gar um zwei Prozent höher als im Vorjahresmonat. Es war vor allem die schnelle wirtschaftliche Erholung in den großen Volkswirtschaften, die die Energienachfrage schneller als erwartet wieder in die Höhe getrieben hat. In puncto Klimaschutz brachte uns die positive konjunkturelle Entwicklung aber auf den Boden der Tatsachen zurück. Denn durch den Jahresend-Aufschwung sind selbst im Pandemie-Jahr 2020 die CO₂-Emissionen nicht schnell genug gesunken. Ein Beispiel ist die Energiewirtschaft, die als hauptsächlicher Verursacher des Treibhaus-Effekts besonders im Fokus steht. Zwar sanken die CO₂-Emissionen in der Stromerzeugung im vergangenen Jahr um 450 Millionen Tonnen. Um die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, müssten sie allerdings jedes Jahr um 500 Millionen Tonnen sinken.
CO2-Ausstoß verringern: Gegen die Erderwärmung
Der Emissionsanstieg zum Jahresende sei als deutliche Warnung zu verstehen, dass für die weltweite Transformation hin zu sauberer Energie nicht genug unternommen werde, hat der Chef der IEA, Fatih Birol, erklärt. Denn klar ist: Das Kohlendioxid in der Atmosphäre treibt den Klimawandel an. Das bei Verbrennungsprozessen fossiler Brennstoffe entstehende Gas ist einer der wichtigsten Treiber des Treibhauseffekts. Je höher die CO₂-Konzentration in der Luft, desto weniger Wärme kann über die Atmosphäre wieder abgegeben werden. Hoffnung macht Birol die Tatsache, dass viele Länder immer mehr Strom aus erneuerbaren Quellen statt aus fossilen Brennträgern produzieren. Dieser eingeschlagene Weg müsse nun beibehalten und beschleunigt werden, fordert Birol. Um die Klimaziele zu erreichen, bedarf es neben einer Stromwende auch einer Verkehrs- und Wärmewende. Welche Bedeutung dem Straßen- und Luftverkehr zukommt, hat wiederum die Pandemie gezeigt. Rund die Hälfte des im Jahr 2020 verzeichneten Rückgangs der CO₂-Emissionen war laut IEA auf den geringeren Ölverbrauch in diesem Sektor zurückzuführen. Gerade in nördlichen Breitengraden belastet auch die Wärmeproduktion die CO₂-Bilanz beträchtlich. Rund 40 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen fallen auf Gebäude zurück, hat die Global Alliance for Buildings and Construction der Vereinten Nationen (UN) ermittelt. Dieser Anteil könnte sich deutlich verringern, wenn Wärmedämmung, moderne Heizungsanlagen und klimafreundliche Brennstoffe verstärkt zum Einsatz kommen würden. Aus der Industrie stammen mehr als ein Fünftel der CO₂-Emissionen. Besonders belastend für das Klima sind die Stahl-, Zement- und Chemieproduktion sowie Raffinerien. In der Landwirtschaft spielt CO₂ zwar nur eine untergeordnete Rolle. Doch auch hier werden klimaschädliche Gase – vor allem Methan – produziert.
Rückkehr zum Business as usual
Die IEA-Zahlen zeigen: Die Welt ist mittlerweile wieder zum kohlenstoffintensiven Business as usual zurückgekehrt. Dabei gelte es dringend, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine CO₂-freie Zukunft zu stellen. Für IEA-Chef Birol ist das Jahr 2021 für den internationalen Klimaschutz von entscheidender Bedeutung. Sollten die Regierungen jetzt nicht ihre Energiepolitik konsequent ändern, könne dies die historische Chance gefährden, 2019 zum endgültigen Höhepunkt der globalen Emissionen zu machen. Die Hoffnung beruht vor allem darauf, dass immer mehr Länder und Unternehmen zum Ziel erklären, ihren CO₂-Ausstoß bis 2050 auf null zu senken. Auf diesem Weg wird der Umbau der Energieversorgung immense Kosten verursachen. Für Deutschland könnten sie sich nach Berechnungen von Wissenschaftlern in den Billionen-Bereich hineinbewegen. Die Energieökonomin Prof. Claudia Kemfert sieht darin aber unvermeidbare Investitionen. „Unterm Strich zeigen seriöse Kosten-Nutzen-Studien, dass der Nettonutzen der Energiewende weit größer ist als die Nettokosten. Ehrlich und realistisch auf den Punkt gebracht: Die Energiewende kostet nicht, sie spart Geld“, so Kemfert.
Quellen:
Energiezukunft.eu: CO2-Emissionen steigen wieder
Global Alliance for Buildings and Construction: 2020 GLOBAL STATUS REPORT FOR BUILDINGS AND CONSTRUCTION