Ein wirklich beängstigender Gedanke ist, dass die digitalen Angreifer ihre Opfer ständig beobachten. Sie verfolgen sie an ihrem digitalen Arbeitsplatz. Sie spähen sie in der privaten Welt aus. In den sozialen Medien sammeln sie Bilder, Stimmen, Gedanken, Mail-Adressen, Telefonnummern.
Im Darkweb kaufen sie Bewegungsdaten und Passwörter. Sie kennen die Namen und Adressen der Familienangehörigen, der Kolleginnen und Kollegen und des Freundeskreises. Sie suchen nach Konto- und Kreditkartennummern, der Goldcard der Hotelkette und nach Autokennzeichen und dem heimlichen Doppelleben. Mit all diesen Daten erstellen sie Profile und stehlen dann die Identität einer Person. Dafür trainieren die Organisationen „kriminelle“ KI-Systeme mit Bildern, der Stimme und auch den immer wiederkehrenden Fahrstrecken – dem Weg zur Arbeit, zum Kunden, zum Kindergarten oder in das Ferienhaus.
Social Engineering ist der nächste große Trend
Und wenn die ausspionierte Geschäftsführerin im Urlaub ist, schlagen sie das erste Mal zu – eine KI mit der antrainierten Stimme und Tonalität ruft bei dem Assistenten an und veranlasst eine Überweisung an einen vorgeblichen Geschäftspartner.
Gegen professionelles „Social Engineering“ gibt es kaum technische Abwehrmöglichkeiten.
Ein zweiter schrecklicher Gedanke ist, dass es gegen diese Art der Angriffe – Experten sprechen von „Social Engineering“ und „Deepfakes“ – so gut wie keine technische Abwehr geben kann. Die Entscheidung, ob eine Überweisung durchgeführt wird, liegt allein bei dem angesprochenen Assistenten. Keine Software, keine Spezialisten, keine künstliche Intelligenz kann in diesem Moment unterstützen oder warnen. Nur wenn sich der Angesprochene in genau diesem Moment des Risikos bewusst ist, mit detaillierten Abläufen und Prozessen unterstützt wird, kann er den Angriff vielleicht abwenden.
Cybersecurity-Strategie: Nur Training und Schulung helfen
Jede Cybersecurity-Strategie muss also zwingend auch die ständige Schulung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beinhalten. Und parallel dazu ein fortwährendes Training der KI im Unternehmen durchführen. Denn erst dann, wenn die KI auch in den Telefonanlagen arbeitet und die Stimmen der Anrufer automatisiert analysiert und bei erkanntem Risiko auch sperrt, ist ein wirkungsvoller digitaler Schutz vor Deepfakes gegeben.