Eine Frau fährt auf dem Fahrrad zur Arbeit.
Diensträder bieten steuerliche Vorteile und sind gut für Umwelt und die eigene Gesundheit.

Dienstfahrrad

Unternehmen setzen auf Mobilität auf zwei Rädern

Stau und stockender Verkehr gehören für viele Autofahrer zum Alltag. 58 Stunden verbrachten allein Berliner Autofahrer im Jahr 2024 durchschnittlich im Stillstand, wie Auswertungen von INRIX Traffic Scorecard zeigen.1 Um alltägliche Staufallen zu umfahren oder einfach umweltfreundlich zum nächsten Kundentermin zu kommen, steigen immer mehr Arbeitnehmer auf ein Dienstrad um. Besonders beliebt ist das Dienstradleasing über den Arbeitgeber. Unternehmen schaffen damit Anreize für ihre Mitarbeitenden – und leisten zugleich einen Beitrag zum Klimaschutz.

PW
· 2026
Erschienen in

Mobilität & Energie im Umbruch

am 30. März 2026 in „Handelsblatt“
Energie und Mobilität im Umbruch – das klingt zunächst nach großer Politik. Tatsächlich vollzieht sich der Wandel aber nicht allein in politischen Debatten, sondern immer öfter vor der eigenen Haustür: an der Ladesäule daheim oder auf dem Firmenparkplatz, in...

Ob für den täglichen Arbeitsweg oder für Termine mit Kunden am Nachmittag – in vielen Betrieben gehören neben dem klassischen Firmenwagen inzwischen auch das Dienstfahrrad zum Angebot. Unternehmen wollen damit einen Beitrag zu CO₂-armer Mobilität leisten. Das Einsparpotenzial ist groß: Ein Pendler, der täglich eine Strecke von zehn Kilometern zurücklegt, kann pro Jahr bereits mehr als 325 Liter Sprit einsparen. Neben einzelnen Rädern, die einer gesamten Belegschaft zur Verfügung stehen, spielt vor allem das Dienstradleasing eine große Rolle. Unternehmen mieten die Fahrräder dabei über Leasinganbieter und stellen sie ihren Mitarbeitenden als Zusatzleistung gegen einen Gehaltsverzicht zur Verfügung.

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Zwei Millionen Diensträder unterwegs

Knapp 269.000 Unternehmen haben im Jahr 2024 von dieser Option Gebrauch gemacht. Der Dienstradleasing-Markt erzielte in dem Jahr einen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro, wie eine Studie von Deloitte und Zukunft Fahrrad zeigt.2 Nach Angaben des Bundesverbands Zukunft Fahrrad sind aktuell rund zwei Millionen solcher Diensträder auf deutschen Straßen unterwegs. Allein im Jahr 2023 hat sich ihre Zahl um etwa eine Million erhöht. Mit dem Ausbau einer modernen Radinfrastruktur in vielen Städten blieb die Nachfrage nach Diensträdern auch im vergangenen Jahr hoch.

 

Allein im Jahr 2023 hat sich die Zahl der Leasing-Diensträder um etwa eine Million erhöht.

E-Bike als Dienstfahrrad

Besonders beliebt bei Nutzern: E-Bikes. Bis zu 80 Prozent derjenigen, die ein Dienstrad leasen, entscheiden sich für ein elektrisch betriebenes Modell. Kein Wunder: Laut der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di lohnt sich der Abschluss eines Leasingvertrags vor allem bei hochpreisigen Rädern.3 Die Unternehmen profitieren dabei von steuerlichen Vorteilen – seit 2019 werden Diensträder steuerlich ähnlich behandelt wie Firmenwagen – aber auch von den positiven Effekten des Dienstradgebrauchs auf die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden. Außerdem nutzen viele von ihnen das Angebot als Zusatzleistung, die ihre Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen kann.

Mann im Sakko fährt auf einem Fahhrad

Vorteile für Unternehmen

  1. Stärkere Mitarbeiterbindung: Ein Dienstfahrrad wird von vielen Beschäftigten als attraktiver Zusatznutzen wahrgenommen. Unternehmen können sich damit im Wettbewerb um Fachkräfte moderner und attraktiver positionieren.
  2. Beitrag zu betrieblicher Nachhaltigkeit: Unternehmen, die Dienstfahrräder anbieten, unterstützen klimafreundlichere Arbeitswege und können ihre Nachhaltigkeitsstrategie sichtbarer machen.
  3. Weniger Parkplatzbedarf: Wenn mehr Beschäftigte mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zur Arbeit kommen, sinkt der Bedarf an Parkplätzen.
  4. Förderung gesünderer Mobilität: Wer regelmäßig mit dem Fahrrad fährt, bewegt sich mehr im Alltag. Unternehmen erhoffen sich davon langfristig positive Effekte auf Fitness, Wohlbefinden und Fehlzeiten.
  5. Alternative oder Ergänzung zum Firmenwagen: Ein Dienstfahrrad kann vor allem in Städten eine praktische und kostengünstigere Ergänzung im Mobilitätsmix sein.
Ein Mann schließt sein Fahrrad an

Vorteile für Mitarbeitende

  1. Kostenvorteil gegenüber dem Direktkauf: Über das Leasing und mögliche steuerliche Vorteile ist ein hochwertiges Fahrrad oder E-Bike meist günstiger als im Privatkauf.
  2. Private Nutzung möglich: Viele Diensträder dürfen nicht nur für den Arbeitsweg, sondern auch in der Freizeit genutzt werden.
  3. Gesundheitsförderung im Alltag: Wer regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit oder zu Terminen fährt, integriert Bewegung fest in den Tagesablauf.
  4. Zeitgewinn auf kurzen und mittleren Strecken: Vor allem in Städten sind Fahrräder häufig schneller als das Auto, weil Staus, Parkplatzsuche und Umwege entfallen.
  5. Mehr Flexibilität im Berufsalltag: Für Wege zwischen mehreren Terminen, Standorten oder im Nahbereich kann das Dienstfahrrad eine unkomplizierte Alternative zum Auto oder ÖPNV sein.
  6. Umweltfreundlich unterwegs: Mitarbeitende können ihren Arbeitsweg emissionsärmer gestalten und so im Alltag selbst einen Beitrag zu nachhaltiger Mobilität leisten.

Schon gewusst?

CO₂‑Rechner für Diensträder

Mit einem CO₂‑Rechner lässt sich die Einsparung von Kohlenstoffdioxid durch Fahrradnutzung berechnen: Wenn 8 von 20 Mitarbeitenden in einem städtischen Gebiet das Fahrrad anstelle des Autos nutzen, um zur Arbeit zu gelangen, lässt sich etwa 1.716 kg CO₂ pro Jahr einsparen.4

Nachteile und Herausforderungen von Dienstfahrrädern

Trotz der zahlreichen Vorteile bringt das Modell des Dienstfahrrads auch einige Herausforderungen mit sich. So sind Leasingverträge in der Regel auf mehrere Jahre angelegt, wodurch Mitarbeitende langfristig gebunden sind. Verlässt ein Beschäftigter das Unternehmen vor Ablauf der Laufzeit, können zusätzliche Kosten entstehen oder es müssen individuelle Lösungen gefunden werden. Auch die Finanzierung über Gehaltsumwandlung kann sich auf das Nettogehalt sowie auf sozialversicherungsrelevante Leistungen auswirken.

Hinzu kommen organisatorische Aspekte: Versicherung, Wartung und mögliche Reparaturen müssen geregelt sein, was sowohl für Unternehmen als auch für Nutzer mit Aufwand verbunden ist. Nicht zuletzt hängt der praktische Nutzen eines Dienstfahrrads stark von der vorhandenen Infrastruktur ab – fehlen sichere Radwege oder Abstellmöglichkeiten, kann die Attraktivität im Alltag eingeschränkt sein. 

Wie funktioniert eigentlich...

Wie funktioniert das Dienstradleasing?

  1. Auswahl des Fahrrads beim Händler
  2. Leasingvertrag über Arbeitgeber
  3. Gehaltsumwandlung
  4. Nutzung im Alltag
  5. Optionen am Vertragsende (z.B. Kauf oder Rückgabe)

Fazit

Das Dienstfahrrad hat sich in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil moderner betrieblicher Mobilitätskonzepte entwickelt. Es verbindet ökologische Vorteile mit wirtschaftlichen Anreizen und bietet sowohl Unternehmen als auch Mitarbeitenden einen konkreten Mehrwert im Alltag. Während Arbeitgeber ihre Attraktivität steigern und einen Beitrag zu nachhaltiger Mobilität leisten können, profitieren Beschäftigte von finanziellen Vorteilen, mehr Flexibilität und zusätzlicher Bewegung.

Gleichzeitig zeigt sich: Damit das Modell langfristig erfolgreich ist, müssen Rahmenbedingungen wie transparente Leasingregelungen, eine gute Fahrradinfrastruktur und praktikable organisatorische Lösungen gegeben sein. Wo diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann das Dienstfahrrad eine sinnvolle Ergänzung oder sogar Alternative zum klassischen Firmenwagen darstellen – insbesondere in urbanen Räumen und auf kurzen bis mittleren Strecken.

Quellen:

1 INRIX, 2025
2 Deloitte, 2025
3 ver.di, 2025
4 eurorad