Ob für den täglichen Arbeitsweg oder für Termine mit Kunden am Nachmittag – in vielen Betrieben gehören neben dem klassischen Firmenwagen inzwischen auch das Dienstfahrrad zum Angebot. Unternehmen wollen damit einen Beitrag zu CO₂-armer Mobilität leisten. Das Einsparpotenzial ist groß: Ein Pendler, der täglich eine Strecke von zehn Kilometern zurücklegt, kann pro Jahr bereits mehr als 325 Liter Sprit einsparen. Neben einzelnen Rädern, die einer gesamten Belegschaft zur Verfügung stehen, spielt vor allem das Dienstradleasing eine große Rolle. Unternehmen mieten die Fahrräder dabei über Leasinganbieter und stellen sie ihren Mitarbeitenden als Zusatzleistung gegen einen Gehaltsverzicht zur Verfügung.
Zwei Millionen Diensträder unterwegs
Knapp 269.000 Unternehmen haben im Jahr 2024 von dieser Option Gebrauch gemacht. Der Dienstradleasing-Markt erzielte in dem Jahr einen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro, wie eine Studie von Deloitte und Zukunft Fahrrad zeigt.2 Nach Angaben des Bundesverbands Zukunft Fahrrad sind aktuell rund zwei Millionen solcher Diensträder auf deutschen Straßen unterwegs. Allein im Jahr 2023 hat sich ihre Zahl um etwa eine Million erhöht. Mit dem Ausbau einer modernen Radinfrastruktur in vielen Städten blieb die Nachfrage nach Diensträdern auch im vergangenen Jahr hoch.
Allein im Jahr 2023 hat sich die Zahl der Leasing-Diensträder um etwa eine Million erhöht.
E-Bike als Dienstfahrrad
Besonders beliebt bei Nutzern: E-Bikes. Bis zu 80 Prozent derjenigen, die ein Dienstrad leasen, entscheiden sich für ein elektrisch betriebenes Modell. Kein Wunder: Laut der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di lohnt sich der Abschluss eines Leasingvertrags vor allem bei hochpreisigen Rädern.3 Die Unternehmen profitieren dabei von steuerlichen Vorteilen – seit 2019 werden Diensträder steuerlich ähnlich behandelt wie Firmenwagen – aber auch von den positiven Effekten des Dienstradgebrauchs auf die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden. Außerdem nutzen viele von ihnen das Angebot als Zusatzleistung, die ihre Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen kann.
Nachteile und Herausforderungen von Dienstfahrrädern
Trotz der zahlreichen Vorteile bringt das Modell des Dienstfahrrads auch einige Herausforderungen mit sich. So sind Leasingverträge in der Regel auf mehrere Jahre angelegt, wodurch Mitarbeitende langfristig gebunden sind. Verlässt ein Beschäftigter das Unternehmen vor Ablauf der Laufzeit, können zusätzliche Kosten entstehen oder es müssen individuelle Lösungen gefunden werden. Auch die Finanzierung über Gehaltsumwandlung kann sich auf das Nettogehalt sowie auf sozialversicherungsrelevante Leistungen auswirken.
Hinzu kommen organisatorische Aspekte: Versicherung, Wartung und mögliche Reparaturen müssen geregelt sein, was sowohl für Unternehmen als auch für Nutzer mit Aufwand verbunden ist. Nicht zuletzt hängt der praktische Nutzen eines Dienstfahrrads stark von der vorhandenen Infrastruktur ab – fehlen sichere Radwege oder Abstellmöglichkeiten, kann die Attraktivität im Alltag eingeschränkt sein.
Fazit
Das Dienstfahrrad hat sich in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil moderner betrieblicher Mobilitätskonzepte entwickelt. Es verbindet ökologische Vorteile mit wirtschaftlichen Anreizen und bietet sowohl Unternehmen als auch Mitarbeitenden einen konkreten Mehrwert im Alltag. Während Arbeitgeber ihre Attraktivität steigern und einen Beitrag zu nachhaltiger Mobilität leisten können, profitieren Beschäftigte von finanziellen Vorteilen, mehr Flexibilität und zusätzlicher Bewegung.
Gleichzeitig zeigt sich: Damit das Modell langfristig erfolgreich ist, müssen Rahmenbedingungen wie transparente Leasingregelungen, eine gute Fahrradinfrastruktur und praktikable organisatorische Lösungen gegeben sein. Wo diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann das Dienstfahrrad eine sinnvolle Ergänzung oder sogar Alternative zum klassischen Firmenwagen darstellen – insbesondere in urbanen Räumen und auf kurzen bis mittleren Strecken.