Lange Zeit waren Europa und insbesondere Deutschland nur Nutzer von Drohnentechnologie, die vor allem von den USA und der Türkei bezogen wurde. Hier ist ein klarer Paradigmenwechsel hin zu mehr Unabhängigkeit zu beobachten. Wichtige Impulse hierfür bringen Start-ups in die bisher stark in sich geschlossene Rüstungsindustrie. Sie legen den Finger in die Wunde, wenn es um Kollaboration und Verteidigungspolitik geht. Denn hier treffen veraltete bürokratische Prozesse auf agile Methoden. Die vielfach kritisierten aktuellen Beschaffungsprozesse können mit der Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung in der Praxis schlicht nicht mithalten. Was Unternehmen in ihrer IT bereits meist gelernt haben – nicht mehr endlose Pflichtenhefte zu schreiben, die dann pflichtbewusst abgearbeitet werden –, steht im Verteidigungsbereich noch aus. Die klassischen Vergabeverfahren mit vorab zementierten, restriktiven Leistungsbeschreibungen funktionieren nicht mehr, wenn die Fähigkeiten heutiger Systeme immer stärker von Software abhängen und von Software definiert sind.
Start-ups stellen die Verteidigungsindustrie auf den Kopf.
Drohnen abwehren: Lernende Systeme treffen auf verkrustete Prozesse
Verteidigungsexpertinnen und -experten sind sich einig, dass die Anpassbarkeit und Update-Fähigkeit von Systemen in der modernen Gefechtsführung zum entscheidenden Kriterium werden – nicht nur bei Drohnen, sondern etwa auch bei Robotik für Drohnenträger. Dahinter steht ein Paradigmenwechsel: Es geht weg vom einmal fertig entwickelten Produkt hin zu Lösungen, die mit neuen „Features“ wachsen und ihre Fähigkeiten verändern können. Für die Entwickler von Drohnensystemen gilt es, die aktuelle Erfahrung etwa im Ukrainekrieg direkt auszuwerten, um die Lernkurve möglichst steil zu halten. Das erfordert wiederum neue Zusammenarbeitsprozesse zwischen operativem Personal und den Tech-Lieferanten. KI ist schon längst zur zentralen Technologie bei innovativen Defence-Systemen geworden. Sie hilft aber auch dabei, bestehendes Gerät durch Sensorik-Analysen zu verbessern und zu automatisieren. Um lange Trainingszeiten zu minimieren, liegt gerade für die Start-ups der Fokus auf der einfacheren Bedienbarkeit. Modularität und Plattformen, auf denen sich unterschiedliche Systeme und die funktionale Weiterentwicklung softwaretechnisch abbilden lassen, sind dabei zentrale Konzepte.
Abwehrwaffen als bevorzugte Strategie
Derzeit wird im Maschinen- und Anlagenbau – nicht zuletzt angesichts des geplanten Sondervermögens und einbrechender Märkte – stark über neue Geschäftsmodelle im Defence-Bereich diskutiert. Erste Unternehmen befassen sich beispielsweise mit in Deutschland hergestellter Technologie zur Drohnenabwehr. Hier sind einerseits spezifische Skills rund um Radar-Sensorik und elektromagnetische Spektrumanalyse wichtig, aber auch Lasertechnologie. Mit weniger als 20 Euro pro Schuss sollen Hochenergielaser eine kostengünstige Abwehr von Drohnen und Raketen ermöglichen. Bisher kamen dafür millionenteure Raketenabwehrsysteme zum Einsatz, während Drohnen aufgrund ihrer relativ niedrigen Preise zur „Low-Cost Warfare“ zählen.