menschlische Hand hält Holograph-Kugel mit Energieeffizienzklassen und Energiesymbolen
Durch Kreislaufwirtschaft werden Ressourcen geschont und Energie effizient genutzt. iStock / Getty Images Plus / S. Sukkasemsakorn

Energieoptimierung

Weniger Verbrauch, mehr Wirkung

Mehr Effizienz beim Einsatz von Energie ist einer der zentralen Bausteine einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Smarte Effizienzstrategien senken Kosten, verlängern Lebenszyklen und stärken Unternehmen gegen Krisen. Wer sie strategisch begreift, gewinnt sowohl an ökologischer Verantwortung als auch an ökonomischer Stärke.

JB
· 2025
Erschienen in

Circular Economy

am 20. Oktober 2025 in „Handelsblatt“
Für den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft gibt es mehrere Motive. Der Umweltschutz ist traditionell ein ganz wesentlicher Treiber. Angesichts der zunehmenden geopolitischen Spannungen muss das Thema aber auch unter dem Aspekt der Abhängigkeit von wertvollen und seltenen Rohstoffen gesehen...

Ohne Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Quellen ist Kreislaufwirtschaft kaum möglich. Erst der sparsame Einsatz von Strom, Wärme und Rohstoffen macht Recycling, Wiederverwendung und nachhaltige Produktion rentabel. Allerdings entfernt sich die globale Nutzung von Ressourcen weiter von einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Dies zeigt der Circularity Gap Report 2025: So ist der Anteil weltweit genutzter Materialien aus sekundären Quellen im Jahr 2024 gegenüber dem Vorjahr sogar von 7,2 auf 6,9 Prozent gesunken. Deutschland hat zwar seinen Endenergieverbrauch nach Angaben des Umweltbundesamtes seit 2008 um rund 13 Prozent gesenkt, doch die Potenziale sind auch in der Bundesrepublik längst nicht ausgeschöpft. Klar muss sein: Die Kreislaufwirtschaft bietet deutschen Unternehmen die Chance, ihre Abhängigkeit von Primärrohstoffen zu verringern, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und regulatorische Risiken aktiv zu steuern. Mit der Ökodesign-Verordnung und dem digitalen Produktpass (DPP) entstehen außerdem regulatorische Rahmenbedingungen, die zirkuläres Wirtschaften zur unternehmerischen Notwendigkeit machen.

Effizienz vorantreiben

In der Industrie steckt der größte Hebel für mehr Energieeffizienz dort, wo täglich hohe Lasten entstehen, nämlich in der Produktion. Wer hier Prozesse intelligent steuert, spart nicht nur Strom und Wärme, sondern sichert zugleich Wettbewerbsfähigkeit. Der Deutsche Energieeffizienz-Index 2025 der Universität Stuttgart zeigt, dass 68 Prozent der Betriebe Effizienzmaßnahmen als wichtigste Klimastrategie sehen, doch jedes zweite Unternehmen mit bürokratischen Hürden bei der Förderung kämpft. Dies ist auch ein klarer Auftrag an die Politik.

Wie groß die Potenziale sind, beweist beispielsweise das Projekt „EmulDan“ des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU): Durch verbesserte Schmierstoffe und digitale Prozesssteuerung konnten beim Umformen und Zerspanen bis zu 20 Prozent Energie eingespart werden – ohne Einbußen bei Qualität oder Produktivität. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang insgesamt der Umgang mit Anlagen und Maschinen. Moderne Wartungssysteme, Sensorik und Predictive Maintenance sorgen für mehr Effizienz und verlängern gleichzeitig deren Lebensdauer.

 

Effizienz ist kein Nischenthema mehr, sondern ein echter Produktionsfaktor.

Auch in der Logistik wächst durch Energieeffizienz der Budgetspielraum: Durch Routenoptimierung, energieeffiziente Antriebe oder Kombinationsverkehre lassen sich erhebliche Energie- und Kostenvorteile realisieren. Gleichzeitig macht bei diesem Thema auch ein Blick auf die Gebäude Sinn. In Deutschland entfallen immerhin rund 35 Prozent des Endenergieverbrauchs auf diesen Sektor. Laut einer aktuellen dena-Studie lassen sich alleine durch Sanierungen und digitale Energiemanagementsysteme in Bürogebäuden bis zu 45 Prozent der Heiz- und Stromkosten einsparen.

Energieoptimierung: Kosten senken

Effizienz ist also kein Nischenthema mehr, sondern ein echter Produktionsfaktor. Weniger Energieverbrauch bedeutet niedrigere Betriebskosten und mehr Flexibilität. Der Transformationskompass 2025 des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: 44 Prozent der befragten Unternehmen setzen bereits auf Effizienzmaßnahmen und Kreislaufwirtschaft, um Risiken abzufedern. Fast ebenso viele nutzen oder erzeugen erneuerbare Energien. Rund 40 Prozent engagieren sich im Bereich emissionsärmerer Mobilität, energetischer Gebäudesanierung oder betrieblichen Nachhaltigkeitsinitiativen. Der Blick auf die von Unternehmen umgesetzten Maßnahmen im Klima- und Umweltschutz legt nach Beobachtung der Experten des IW nahe, dass Klimaschutz auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ein fester Bestandteil unternehmerischer Praxis bleibt. Die Aktivitäten in Bereichen wie Ressourceneffizienz, erneuerbare Energien und nachhaltige Mobilität werden überwiegend auf dem Niveau von 2023 gehalten. Ein Rückgang ist nicht zu beobachten. Das verdeutlicht, dass Klimaschutzmaßnahmen von Unternehmen langfristig verfolgt werden und mittlerweile strukturell im betrieblichen Handeln verankert sind. Darüber hinaus stärkt Effizienz auch die Krisenfestigkeit. Laut „Fortschrittsmonitor Energiewende 2025“, einer Studie des BDEW, haben Betriebe mit aktivem Energiemanagement im Durchschnitt zwölf Prozent niedrigere Betriebskosten und reagieren schneller auf Preis- oder Lieferengpässe. Energieeffizienz wird so zum Fundament unternehmerischer Stabilität.

Krisen begegnen

Und wie lässt sich echte und nachhaltige Effizienz weiter vorantreiben? Am erfolgreichsten sind bei dieser Aufgabe in aller Regel Unternehmen, die Effizienz als strategische Aufgabe begreifen, inklusive Roadmaps, Kennzahlen, Schulungen und Anreizen. Laut dem aktuellen EY-Dekarbonisierungsbarometer bringt dabei die aktuelle geopolitische Lage neue Herausforderungen wie etwa Rückschritte bei der US-Klimapolitik, eine strategische Neujustierung des Green Deal der Europäischen Union oder die Energiekrise als Folge des Krieges in der Ukraine. Das Barometer zeigt aber nicht nur den Status quo, sondern liefert klare Impulse für den Fortschritt bei der Dekarbonisierung gleich mit. Entscheidend sind drei Handlungsfelder: Erstens gilt es, Scope-3-Emissionen konsequent zu integrieren, um den größten Hebel zur Emissionsreduktion zu nutzen. Zweitens müssen Strategien flexibel bleiben, um auf politische und wirtschaftliche Dynamiken zu reagieren. Drittens sollten neue Technologien gezielt in tragfähige Geschäftsmodelle übersetzt werden. Auf diese Weise können Unternehmen trotz aller Unsicherheiten Kurs halten.