Die sauberste Kilowattstunde Strom ist die, die gar nicht erst verbraucht wird. Doch weltweit klettert der Energieverbrauch jedes Jahr in noch schwindelerregendere Höhen. So verbrauchte im Jahr 2014 jeder Erdenbürger 2623,46 Kilogramm Öläquivalent, darin enthalten sind Öl, Gas, Atomenergie, Erneuerbare Energien und Kohle. Diese Zahlen hat die Weltbank ermittelt, aktuellere Werte liegen derzeit nicht vor. Demnach bringt es der Durchschnittseuropäer auf 3130 Kilogramm Öläquivalent.
Energiewende: Energieeffizienz an erster Stelle
So steht denn auch das Thema Energieeffizienz an erster Stelle der Konzeption der Energiewende – noch vor dem Ausbau der Erneuerbaren Energien. Schon 2007 hatte die EU das Ziel gesetzt, den Primärenergieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent zu senken; bis 2030 sogar um 35 Prozent. Ein umfangreicher Maßnahmenkatalog, der nicht nur die Effizienzsteigerung elektronischer Geräte oder die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude vorsieht, soll helfen.
Deutschland wird dieses Ziel wohl nicht erreichen. Der Grund liegt in der Entwicklung des Energieverbrauchs. So wurde im vergangenen Jahr 0,8 Prozent mehr Energie verbraucht als 2016 – vor allem Strom, Diesel und Erdgas legten zu. Auch in den Vorjahren war es bereits zu Verbrauchssteigerungen an Stelle von Einsparungen gekommen. „Die Energieeffizienz-Fortschritte sind zu gering, um zusätzliche Verbräuche aus Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum auszugleichen oder sogar zu überkompensieren“, sagt Patrick Graichen, Direktor der Denkfabrik Agora Energiewende, die die Entwicklung der Energiewende genau beobachten und in der Studie „Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2017“ zusammengefasst haben. Vor allem die deutsche Industrie steigere ihre Effizienz nicht in dem Maße, wie sie die Produktion erhöhe. Statt der angestrebten 20 Prozent könnten bis 2020 rund sieben Prozent weniger Energie verbraucht werden.
Effizienzsteigerung kommt jedem zugute
Dabei käme die Steigerung der Energieeffizienz jedem zugute. So würde nicht nur Kohlendioxid eingespart, die effizientere Geräte und Anlagen zahlen sich auch für Verbraucher und Unternehmen aus, deren Stromrechnung sinkt. Zudem erhöhen sinkende Energiekosten die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen innerhalb der EU.