Bei der Nutzung von sicheren Datenräumen gilt die Autoindustrie als Vorreiter. Ihr Data Space basiert auf dem europäischen Gemeinschaftsprojekt Gaia-X. Gerade im Zusammenspiel zwischen OEMs und Zulieferern profitiert die Branche erheblich: Die Daten für die Fahrzeugentwicklung und Echtzeitdaten aus dem Lebenszyklus sollen so sicher über die Wertschöpfungskette geteilt und verteilt werden.
Beispielhaft zeigt diese Industrie, wie digitale Souveränität realisiert werden kann. Ganz offensichtlich sind Cloud-Lösungen möglich, bei denen die großen Hyperscaler außen vor bleiben. Derzeit sind bereits einige Unternehmen dabei, ihre Daten umfassend in Ontologien – also Datenkatalogen – auf Metaebene zu beschreiben. Auf diese Weise werden Daten universell und systemübergreifend einsetzbar. Die Anbieter geben einen Standard vor, und die Pioniere raten dazu, darauf aufzubauen.
Europäischer Datenraum: Antwort auf geopolitische Umwälzungen
Während zu Beginn die Idee eines digital souveränen europäischen Datenraums von vielen Verantwortlichen belächelt wurde, hat sich die Stimmung stark gewandelt. Denn die Aussicht, dass sie durch digitale Überwachung, Datenklau oder Online-Blockaden die Kontrolle verlieren, wird als ernst zu nehmende Gefahr und als Geschäftsrisiko wahrgenommen. Das liegt auch daran, dass Produkte wie Autos, Geräte und Maschinen immer softwarelastiger werden.
Die Data Spaces helfen dabei, Themen wie „Updates over the Air“, in denen neue Software und Sicherheits-Updates auf unzählige Komponenten verteilt werden, zu realisieren. Aber die Hoffnung ist, auch Nachhaltigkeitsaspekte abzubilden. Datenräume können lange und komplexe Prozesse unterstützen, die über Unternehmensgrenzen und Regionen hinweg reichen.
Zu Recht werden Data Spaces als Vertrauensräume bezeichnet.
Dies ist ein wichtiger Punkt für die Umsetzung der künftigen Nachhaltigkeitsregulierung rund um den digitalen Produktpass. Zu Recht werden Data Spaces als Vertrauensräume bezeichnet. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist ein wichtiger Bestandteil, damit Dritte sich keinen Zugriff verschaffen können. Die Daten werden im föderalen Konzept nicht „weggegeben“ oder an unbekannten Orten gespeichert. Vielmehr verbleibt die Kontrolle zu jeder Zeit beim Eigentümer. Wie und welche Datenzugriffe erfolgen, ist jeweils vertraglich vereinbart. Für alle Teilnehmer erfolgen vertrauenswürdige Identitätsprüfungen durch Clearing-Instanzen.
Datenräume funktionieren
Dass die Strategie aufgeht, zeigt sich auch daran, dass die innovativen Unternehmen immer mehr Bereiche abbilden, etwa im Qualitätsmanagement. Dahinter stehen ganz konkrete Geschäftsinteressen, denn die Datenraum-Anwendungsfälle bieten oft hohe Einsparpotenziale. Auch der Maschinen- und Anlagenbau fokussiert sich jetzt mit der Initiative Manufacturing-X auf sichere Datenräume und baut direkt auf die Erfahrungen der Automobilindustrie auf.
Industrieexpertinnen und -experten erwarten, dass viele weitere Branchen auf den Zug aufspringen. In der Industrie macht sich sogar die Hoffnung breit, in der nächsten Phase der Internetentwicklung mit den souveränen Datenräumen einen Vorsprung zu erarbeiten – während man in der Vergangenheit dieses Feld den großen Internetplayern überlassen musste.