Radfahrer fährt auf dem Radweg vorbei am Stau

Fahrradinfrastruktur

Grünes Licht für Drahtesel

In Deutschland gibt es Schätzungen zufolge rund 78 Millionen Fahrräder. Etwa 80 Prozent aller Haushalte besitzen mindestens ein Zweirad, 55 Prozent von ihnen halten das Fahrrad gar für ein unverzichtbares Verkehrsmittel. Solche Zahlen zeigen, dass sich Deutschland zunehmend zur Fahrradnation entwickelt. Damit noch mehr Menschen auf das umweltfreundliche Fortbewegungsmittel umsteigen, müssen aber auch die Weichen für den Ausbau entsprechender Infrastrukturen gestellt werden.

PW
· 2025
Erschienen in

Mobilität

am 20. Oktober 2025 in „Handelsblatt“
In Deutschland denken viele Menschen zunächst ans Auto, wenn von Mobilität die Rede ist. Aus gutem Grund, denn die Fahrzeugindustrie ist eine Schlüsselbranche, die viel Beschäftigung schafft und für Wohlstand sorgt. Doch wenn wir den Blick zu sehr auf das klassische...

Grün, nachhaltig und auf die Menschen, die in ihnen leben, ausgerichtet: So sehen die Visionen für die Städte der Zukunft aus. Eine zentrale Rolle in diesen Vorstellungen nehmen Fahrräder ein, gelten sie doch als effizientestes und vor allem umweltfreundliches Fortbewegungsmittel im urbanen Raum. Tatsächlich wächst die Beliebtheit von Fahrrädern seit Jahren. Allein in Berlin ist der Anteil der Radfahrenden von der Jahrtausendwende bis heute um mehr als 53 Prozent angestiegen. Fest installierte Fahrradzählstellen haben rund 28 Millionen Radfahrende im Jahr 2023 in der Hauptstadt registriert.

Treibhausgase reduzieren

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Dänemark oder den Niederlanden hinkt Deutschland aber dennoch hinterher, was die Radfahrquote angeht. Dabei steckt im Fahrrad enorm viel Potenzial im Kampf gegen den Klimawandel. „Radfahren ist emissionsfrei und spart Platz. Der Radverkehr trägt damit zum Erreichen der nationalen Umwelt- und Klimaschutzziele sowie der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen bei“, heißt es dazu im Nationalen Radverkehrsplan 3.0 der Bundesregierung. In vielen Städten, so die Schätzungen von Experten, könnten mit einem Umstieg vom Auto aufs Fahrrad rund 14 Prozent der Treibhausgase und Luftschadstoffe reduziert werden.

 

In Berlin ist die Zahl der Radfahrenden vom Jahr 2000 bis heute um mehr als 53 Prozent gestiegen.

Ausbau von Radschnellwegen vorantreiben

Im Idealfall ließen sich so laut Rechnungen des ADFC in jedem Jahr 19 Millionen Tonnen CO₂ einsparen. Dabei spielen auch die immer beliebter werdenden E-Fahrräder eine wichtige Rolle – legen Radfahrende mit dem elektrischen Antrieb meist längere Strecken zurück. Bei neueren Modellen werden die Emissionen, die bei der Akku-Herstellung entstehen, zudem bereits nach ungefähr 165 Kilometern ausgeglichen. Trotz einiger Bemühungen mangelt es aber in vielen Städten an der passenden Radinfrastruktur. Vor allem in Großstädten wird deshalb in den Ausbau von Radschnellwegen, geschützten Radwegen sowie in die Schaffung von Schnittstellen mit Bus und Bahn investiert.