Handwerker schlägt mit einem Hausbesitzer ein. Sie stehen vor einer Wärmepumpe.
Anbieter von Wärmepumpen schaffen Arbeitsplätze. iStock/ welcomia

Gebäudeenergiegesetz

Ungewisse Zukunft des Heizungsgesetzes

Das Gebäudeenergiegesetz steht im Mittelpunkt der Strategien von Menschen und Regionen, Vermietern und Städten für eine durchdachte energetische Zukunft. Alle Beteiligten haben in hohem Maße investiert und die ersten erforderlichen Strukturen aufgebaut. Nun sind die Verantwortlichen besorgt, ob und wie die neue Regierung Ziele und Pläne ihrer Vorgänger weiterverfolgt.

Erschienen in

Klimaschutz und Energiewende

am 21. Mai 2025 in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Mit welchen Methoden und Strategien die Bundesregierung die Klimaziele bis zum Jahr 2030 erreichen möchte, wird sie in den nächsten Wochen erklären. Für die Regierenden gilt es zu bedenken, dass Hunderttausende Menschen mit großem Mut und hohen Investitionen in neue...

Seit einigen Jahren ist das Gebäudeenergiegesetz eines der Fundamente, um die Energiewende zu stemmen. Dieses Gesetz wurde nötig, da, verglichen mit der bisherigen Energieversorgung, die neu aufgebauten Strukturen wesentlich komplexer und verzweigter sind. Anders als beim Verbrennen von Öl oder Erdgas muss eine Anzahl moderner Technologien mit breit gefächerten und untereinander verlinkten Systemen verbunden werden. Das angestrebte Ziel ist ehrgeizig – in rund 15 Jahren soll die Energieversorgung dezentral, multidirektional und digital sein. Die Experten erwarten viele kleine Einheiten, die, von Software gesteuert, präzise zusammenspielen. Heute errichten unzählige Unternehmen hierfür die Grundlagen.

 

Die Finanzierung vieler Hausbesitzer steht bereits, jetzt fürchten sie um ihre Investitionen.

Unsicherheit über das Gebäudeenergiegesetz verzögert Investitionen

Doch jetzt lösen Diskussionen über eine Rücknahme der Regelungen Irritationen aus. Industrie, Handwerk und Gebäudeeigentümer haben sich längst auf die Vorgaben des Gesetzes eingestellt. Die benötigten Geräte sind auf dem Markt, Software und künstliche Intelligenz warten in den Rechenzentren auf ihren Einsatz. Die Finanzierung vieler Hausbesitzer steht. Das Know-how rund um Technik, Förderprogramme, Umsetzung und Einbau wird längst in unzähligen Projekten angewendet. In der Industrie arbeiten rund 70.000 Menschen an der Herstellung der Hardware. Hinzu kommen Techniker und Handwerksbetriebe, Softwareentwickler, die ein digitales Ökosystem oder KI-Systeme programmieren – für die Steuerung und Verzahnung von Wärmepumpen, Stromsystemen, PV-Anlagen und die Anforderungen der Hausbesitzer und Mieter. Sollten die Beteiligten jetzt gezwungen sein, ihr Engagement zu überdenken, könnte die Folge eine unnötige und sehr teure Zurückhaltung am Wärmemarkt sein. Hohe Investitionen würden mit einem Schlag verloren gehen.

Eine Frau sitzt vor einer Photovoltaikanlage

Koalitionsvertrag ist wenig konkret

So wartet der Markt auf eine klare Nachricht aus der Politik. Doch bislang gibt es neben kernigen Aussagen während des Wahlkampfes nur den Koalitionsvertrag, der alles und nichts verspricht. „Wir wollen alle Potenziale der erneuerbaren Energien nutzen. Dazu gehören Sonnen- und Windenergie sowie Bioenergie, Geothermie, Wasserkraft sowie aus diesen hergestellte Moleküle“, lautet die Verabredung der beteiligten Parteien. „Wir stärken auch innovative Technologien wie Abwasserwärme, Wärmerückgewinnung und Flugwindkraft/Höhenwindenergie.“ Ob damit auch die Fortsetzung des Gebäudeenergiegesetzes gemeint ist, bleibt offen.

Handwerker beim Einbau einer Wärmepumpe

Interessenvertreter fordern Zusagen

Alle Beteiligten, das sind neben Industrie und Handwerk vor allem auch die Verbraucher, fordern Sicherheit hinsichtlich der künftig geltenden Rahmenbedingungen. Die Interessenvertreter befürchten, dass eine neue Regierung jetzt Passagen aus dem Gebäudeenergiegesetz streichen könnte. Wenn sie später feststellt, dass sie zu stark in den Markt eingegriffen hat, könnte sie gezwungen sein, diese Passagen wieder in das Gesetz einzufügen. Darüber hinaus gibt es ein Rechtsgutachten, wonach Rückschritte im Gebäudeenergiegesetz sogar verfassungswidrig sind, wenn damit das Erreichen von Klimazielen unwahrscheinlicher würde.