Nahaufnahme von Kisten mit Computerteilen, die für das Recycling sortiert wurden

Green IT

IT und Umwelt im Einklang

Die Digitalisierung boomt, doch unser Umgang mit Technik ist alles andere als nachhaltig. Viele IT-Geräte werden viel zu früh entsorgt. Durch Reparatur, Wiederverwendung und bessere Materialien können wir Ressourcen schonen – und damit auch die Umwelt entlasten.

Erschienen in

Circular Economy

am 20. Oktober 2025 in „Handelsblatt“
Für den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft gibt es mehrere Motive. Der Umweltschutz ist traditionell ein ganz wesentlicher Treiber. Angesichts der zunehmenden geopolitischen Spannungen muss das Thema aber auch unter dem Aspekt der Abhängigkeit von wertvollen und seltenen Rohstoffen gesehen...

In Deutschland fallen pro Jahr knapp drei Millionen Tonnen Abfall an, der aus alten Elektro- und Elektronikgeräten besteht. Davon werden lediglich etwa 25 Prozent recycelt. Der restliche Teil landet im Hausmüll, wird zu Hause aufbewahrt oder wird illegal exportiert. Besonders problematisch ist dies, weil solche Geräte sowohl wertvoll als auch gefährlich sind: Elektroschrott enthält einerseits wertvolle Materialien, die wiederverwendet werden können, beispielsweise Gold, Platin, Kupfer, Eisen, Keramik und Glas. Andererseits befinden sich in den Geräten Schadstoffe wie Cadmium, Blei und Quecksilber, die bei unsachgemäßer Entsorgung erhebliche Umweltschäden verursachen können.

Green IT als Rettung

Der Ausweg aus diesem Dilemma führt über eine stärkere Berücksichtigung kreislaufwirtschaftlicher Prinzipien – indem Produkte also erst möglichst lange genutzt, dann repariert und wiederaufbereitet und am Ende ihrer Lebensdauer recycelt werden. Auch bei Produkten der Informationstechnik wie PCs, Notebooks, Monitore und Smartphones gibt es in dieser Hinsicht viel Potenzial. „Green IT“ dient als Oberbegriff für alle Bestrebungen, derartige Geräte über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg umweltfreundlicher und ressourcenschonender zu gestalten.

Reparaturfreundlichkeit

Nachhaltigkeit beginnt schon bei der Herstellung von Geräten. Beispielsweise durch eine höhere Reparaturfreundlichkeit. Dazu trägt die Ökodesign-Verordnung der EU bei. Ihr zufolge müssen Hersteller von Smartphones und Tablets für ihre Geräte seit Juni 2025 noch sieben Jahre nach dem Verkaufsstopp Ersatzteile und Reparaturinformationen zur Verfügung stellen. Auch für andere IT-Geräte werden voraussichtlich in den nächsten Jahren ähnliche Regelungen gültig werden, die strenger sind als die bisherigen. Modularität kann ebenfalls zu längerer Lebensdauer und damit zu mehr Nachhaltigkeit führen. Das bedeutet, dass ein Gerät aus leicht austauschbaren und aufrüstbaren Komponenten besteht. PCs und Server sind bis zu einem gewissen Grad bereits modular aufgebaut, bei Notebooks und Smartphones dagegen ist Modularität bislang noch nicht weit verbreitet.

 

Nachhaltigkeit beginnt schon bei der Herstellung von Geräten.

Nachhaltigere Materialien

Auch die Verwendung von recyceltem Material bei der Herstellung lässt IT-Produkte nachhaltiger werden. Derzeit kommen in IT-Geräten grob geschätzt nur zwölf Prozent recycelte Materialien zum Einsatz. Es gibt aber Bestrebungen großer Hersteller, diesen Anteil zu erhöhen. Bereits seit 2006 verbietet eine EU-Richtlinie (RoHS) Herstellern das Verwenden bestimmter umweltschädlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten. Es existieren jedoch einige freiwillige Zertifizierungen, die strengere Maßstäbe anlegen. Die Motivation der IT-Hersteller, über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinauszugehen: Auf diese Weise verbessern sie ihre Chancen bei Ausschreibungen von Unternehmen und von staatlichen Stellen.

Zahl zum Staunen bzgl. Servern

Generalüberholte Geräte

Die Nutzungsdauer von Geräten lässt sich zudem durch den Verkauf an weitere Nutzer verlängern. Überlassen werden Altgeräte entweder einfach als Gebrauchtgeräte oder aber als professionell generalüberholte („refurbished“) Geräte. Allerdings ist noch viel Überzeugungsarbeit nötig: Lediglich 15 Prozent der Unternehmen in Deutschland haben bislang generalüberholte IT-Hardware im Einsatz, hat der Digitalverband Bitkom in einer Befragung ermittelt. Weitere 15 Prozent ziehen den Einsatz derartiger Hardware zumindest in Erwägung. 61 Prozent der Unternehmen, die bislang noch keine generalüberholte IT-Hardware nutzen, würden dies tun, wenn sie dadurch mehr finanzielle Vorteile hätten – etwa durch steuerliche Anreize.