Gabelstapler in einer Lagerhalle
Energieeffiziente Heizungen in Hallen gelten als strategisches Asset. Stock/K. Mattakulphon

Hallenheizung

Infrarottechnologie für Lager- und Produktionshallen

In den Koalitionsverhandlungen bekannten sich die Parteispitzen dazu, Deutschland als Industrieland zu erhalten und gleichzeitig klimaneutral auszurichten. Ergänzend gibt die neue Bundesregierung das Versprechen, die Energiekosten künftig moderat zu halten. Jetzt sind Innovationen wichtig, die bei den größten Energieverbrauchern der Republik ansetzen, um hier hohe Einsparungen realisieren zu können.

Christian Raum
· 2025
Erschienen in

Klimaschutz und Energiewende

am 21. Mai 2025 in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Mit welchen Methoden und Strategien die Bundesregierung die Klimaziele bis zum Jahr 2030 erreichen möchte, wird sie in den nächsten Wochen erklären. Für die Regierenden gilt es zu bedenken, dass Hunderttausende Menschen mit großem Mut und hohen Investitionen in neue...

In Deutschland gibt es einen riesigen Bestand von Hallen, deren Heizsysteme täglich Energie verschwenden und in viel zu großem Maßstab CO₂ produzieren. Mit Blick auf die Nutzung von erneuerbaren Energien und modernen Technologien geht es bei Weitem nicht nur um einen Altbestand, der dringend saniert werden muss. Auch viele neu gebaute Hallen werden mit veralteter Technik beheizt.

Für Immobilienfonds und Developer ist das Vermieten von Hallen ein sehr gutes Geschäft.1 Große europäische Immobilienanbieter besitzen Millionen Quadratmeter Hallengebäudefläche. Insbesondere entlang der europäischen Fernstraßen, an logistisch wichtigen Knotenpunkten wie Flughäfen oder Güterbahnhöfen finden sie Mieterinnen und Mieter. Und das Wachstum der Branche ist noch lange nicht zu Ende. Aufgrund des anhaltenden Booms des Onlinehandels sind Lagerhallen und Logistikzentren gefragte Immobilien.2 Die Anbieter bauen standardisierte Gebäude mit Regalen, digitaler Steuerung und Heizung so günstig, wie es nur geht, kritisieren Marktanalysten. Zwar sind die Hallen konform der Regularien errichtet. Dies bedeutet aber nicht, dass sie funktionstechnisch auf dem aktuellen Stand sind, so die Kritik.

Insbesondere bei der für die Heizung genutzten Technologien, der gewählten Energieversorgung und dem Energieverbrauch gelten solche schnell und günstig errichteten Bauten häufig als nicht besonders effizient.3 Und billigere Wärmesysteme bedeuteten für die Mieter oftmals die Notwendigkeit, mit teurem Strom oder mit fossilen Brennstoffen zu heizen.

 

Industriehallen sind ein gewichtiger Faktor bei der Energiewende.

Hallenheizung: Standardisiert und billig führt zu hohen Kosten

Obwohl über Jahrzehnte die normalen Warmwasser-Heizungssysteme verbaut wurden, sind sie für Hallen in vielen Fällen nicht geeignet. Allein durch die enormen Raumhöhen verbrauchen sie unangemessen viel Energie. Wenn die Mieter große Lager- oder Produktionshallen heizen, bieten sie kaum Flexibilität, sie lassen sich schlecht regulieren und nur eingeschränkt digital oder mit KI steuern. Die Wärme sammelt sich über den Tag unter der Hallendecke. Sind die Tore zur Beladung von Lkws geöffnet, entweicht sie nach außen. Zusätzlich gelten herkömmliche Heizungen in vielen Fällen als unwirtschaftlich und wenig gebrauchsfähig. So kann diese für den Bau günstige Lösung für die Verantwortlichen in den Logistikbetrieben schnell zu einem kostenintensiven Problem werden – immerhin sind rund 70 Prozent des Energieverbrauchs in einem typischen Industriegebäude Heizkosten. Mit teuer eingekauftem Strom explodieren die Ausgaben. Deshalb legt das Management besonderen Wert auf die Energiebilanz aus der Wärmeerzeugung. Und definiert die Nutzung von möglichst umweltfreundlichen und energieeffizienten Lösungen als ein strategisches Asset. Kein Wunder, dass viele Hallennutzer schnell an den Punkt kommen, an dem sie effizientere Heizsysteme einsetzen wollen.

Schon gewusst?

Viele Unternehmen wirken auf die Immobilienbesitzer ein, eine aus ihrer Perspektive sinnvolle energieeffiziente Heizung in die gemieteten Hallen einzubauen. Ihre Vorstellung ist es, ein System zu wählen, das sich in wichtigen Kriterien auf die Nutzung anpassen lässt. Es soll ohne langen Vorlauf genau dann einsetzen, wenn die Mitarbeitenden mit der Arbeit beginnen – und sich pünktlich abschalten, bevor die Kolleginnen und Kollegen das Gebäude verlassen. Sinnvoll ist es auch, gezielt nur Arbeitsinseln innerhalb der Halle zu heizen. Durch Solarpanels auf dem Dach lassen sich die Stromkosten deutlich senken, die Steuerung mit künstlicher Intelligenz sorgt dafür, dass das Heizsystem nicht nur auf die günstigsten Energieträger wechselt; in Kombination mit Wetterberichten lassen sich Heizpläne für mehrere Tage im Voraus erstellen.

Hallenheizung als strategische Betriebsanlage

Mit zeitgemäßen Technologien unterstützen die Besitzer die Energiewende. Eine Lösung kann die Beheizung mit Infrarottechnologie sein. Für viele steht sie für hohe Wirtschaftlichkeit, für die Möglichkeit, unterschiedliche Arbeitsbereiche innerhalb einer Halle gezielt zu heizen. Die neuen sogenannten energieflexiblen Systeme ermöglichen, zwischen Energieträgern und Anbietern zu wechseln. Das System schaltet auf das beste Angebot, das gerade zur Verfügung steht: etwa der PV-Strom vom eigenen Hallendach oder günstiger Netzstrom, es arbeitet mit Wasserstoff oder mit anderen auf dem Markt angebotenen Gasen.