Ein graues Bürohochhaus aus den sechziger Jahren dient als einer der vielen sogenannten „Hubs“ für Startups in Londons High-Tech-Stadtteil Moorgate. Unterstützt von einem der großen Netzwerkanbieter arbeiten die IT-Experten an der digitalen Verkehrssteuerung der britischen Hauptstadt. Und eines der ersten großen Projekte, die Startups realisiert haben, waren große Teile der logistischen Versorgung der Olympischen Spiele im Jahr 2012.
Meine Gastgeber empfangen mich mit Tee und Sandwich und berichten mit britischem Understatement über ihre Rolle während der „Spiele“. Eine der Leistungen hier im Haus sei die Verbindung der unterschiedlichsten Verkehrsinformationssysteme auf einer Big-Data-Plattform gewesen. Die IT-Experten projizierten diese Informationen auf eine Karte. Darüber bauten sie eine Routenplanung für die logistische Versorgung der Spielstätten im Norden der Stadt.
Mit Intelligenter Verkehrssteuerung Probleme in den Griff bekommen
Damit sahen Lieferanten, auf welchem Weg sie am besten und schnellsten zu den Lieferadressen gelangten und welche Wege und Orte sie in welcher Reihenfolge anfahren sollten. Hier im Startup-Hub ist man sich sicher – London sei auch deshalb in der Lage gewesen, die Spiele zu veranstalten, weil die Logistikunternehmen von Moorgate aus mit Informationen in Echtzeit versorgt wurden.
Einige Jahre später sind Apps für Routenplanung bei den großen Internetanbietern Standard. Höchste Zeit für die Startups ihre Perspektive zu wechseln – heute beschäftigen sie sich mit dem Aufbau von Mobilitätsplattformen insbesondere für Speditionen und Flotten. Mobilität und Mobilitätsplanung wird zum Service, den die Unternehmen aus Rechenzentren und Cloud-Anwendungen beziehen.
Damit folge man auch einem Trend im Internet – an die Stelle der großen weltumspannenden Veranstaltung sei der sogenannte „Schwarm“ getreten: Wie nahezu alle Menschen rund um den Globus bestellten auch Millionen Briten täglich im Internet Dinge. Und damit würde der Lieferverkehr zu einer der wichtigsten globalen Herausforderungen für Verkehrsplaner.
Web-Plattformen statt Routenplanung
Denn nur oberflächlich betrachtet scheint der Einkauf im Web schneller, einfacher und reibungsloser zu laufen als früher. Offensichtlich habe die viel beschworene Digitalisierung nur im Handel stattgefunden. Die Logistik befinde sich weiterhin im manuellen Papierzeitalter.
Für die Mobilitätsservices gelte es die Maschinerie hinter Portalen und Pizzalieferungen mit einer durchgängigen Digitalisierung neu aufzustellen. Denn tatsächlich arbeiteten Paketdienste mit mehreren IT-Systemen, die typischerweise keine Schnittstellen miteinander haben.
Um die Informationen von einem in das andere System zu transportieren, bräuchten die Unternehmen große Mengen Papier. Und in einem Chaos von Papieren, Formularen, Zetteln, Lieferscheinen und Quittungen seien die meisten Prozesse selbst für Mitarbeiter kaum durchschaubar.
Zu den Folgen zählten lange Wartezeiten für die Fahrer, bis die Touren überhaupt beginnen. Als nächstes ständen sie in den Staus, die zu einem großen Teil sie und andere Fahrer verursachten. Und am Ende scheiterten die Geschäftsprozesse der Internetversender an der Unmöglichkeit der pünktlichen Lieferung der bestellten Ware.