In einer geopolitisch unsicheren Lage ist die Energiewende längst mehr als ein Klimaschutzprojekt: Sie ist Voraussetzung für Energiesouveränität, Resilienz und die Modernisierung des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Der Fortschrittsmonitor des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Beratungsgesellschaft EY zeigt: Die Energiewende ist auch 2025 weiter vorangeschritten, braucht aber mehr Tempo und Verlässlichkeit. So stieg der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch 2025 auf rund 56 Prozent. Vor allem die Photovoltaik (PV) treibt den Ausbau: Mit knapp 18 Gigawatt Zubau wurde erneut ein Rekord erreicht. Die Windenergie gewinnt zwar an Dynamik, bleibt aber hinter den nötigen Zielwerten zurück; an Land kamen netto 4,6 Gigawatt hinzu, auf See 0,5 Gigawatt. Zugleich sanken die Treibhausgasemissionen gegenüber 2024 aber nur noch um 0,1 Prozent. Für das Klimaziel 2030 wären ab 2026 jährliche Rückgänge von mehr als sieben Prozent nötig. Die Studie macht damit deutlich: Mehr Ökostrom ist ein Erfolg, doch Netze, Speicher, Genehmigungen, Wasserstoff, Wärme und Verkehr müssen nun stärker zusammengedacht werden.
Wenn Häuser mitdenken
Im Alltag ist die smarte Energiewende schon länger sichtbar. Photovoltaikanlagen auf Dächern liefern Strom, Batteriespeicher horten ihn für den Abend, Wärmepumpen ersetzen fossile Heizungen, Wallboxen laden E-Autos, und Energiemanagementsysteme steuern Geräte dann, wenn Strom günstig oder besonders klimafreundlich ist. Aus dem Haus wird damit ein kleiner Knoten im Energiesystem. Eine Studie des Thinktanks Agora Energiewende zeigt, wie eng PV, E-Auto, Wärmepumpe und Speicher bereits zusammenwachsen: Von den Haushalten mit PV-Anlage besitzen 58 Prozent auch einen Batteriespeicher, 32 Prozent eine Wärmepumpe und 27 Prozent eine Wallbox.
Damit dieses Zusammenspiel funktioniert, braucht es jedoch Daten. Smart Meter, dynamische Tarife und digitale Plattformen machen Verbräuche sichtbar und steuerbar. Laut dem Branchenverband Bitkom wünschen sich 90 Prozent der befragten Haushalte, den aktuellen Stromverbrauch ähnlich einfach sehen zu können wie den Spritverbrauch im Auto; 58 Prozent fänden es hilfreich, per App zu erkennen, welche Geräte besonders viel Strom ziehen. Zugleich sehen 89 Prozent die Digitalisierung eher als Chance für die Energiewende. KI kann hier zum Taktgeber werden: Sie prognostiziert Erzeugung und Verbrauch, optimiert Speicher, glättet Lastspitzen und hilft, Netze stabiler zu betreiben.
Intelligentes Stromnetz: Energie wird vernetzt
Die nächsten Schritte dürften deshalb weniger von der einen großen Lösung geprägt sein als von vielen vernetzten Bausteinen. Bidirektionales Laden, virtuelle Kraftwerke, flexible Stromtarife oder lokale Energiegemeinschaften werden wichtiger. Wenn E-Autos Strom zwischenspeichern und zurückgeben, Wärmepumpen auf Preissignale reagieren und Heimspeicher gemeinsam vermarktet werden, entsteht Flexibilität dort, wo Energie verbraucht wird. Auch ungewöhnliche Ideen können Teil dieses Systems werden: Schwimmende Mini-Kraftwerke in Flüssen, Solarzäune oder Abwärme aus Rechenzentren können lokale Netze ergänzen. So wird aus grünem Strom ein intelligentes System.