Fortschritt entsteht, wenn Prozesse, Infrastruktur und Menschen zusammenspielen. Canon
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IT-Architektur

Digitale Souveränität ist eine Frage der Architektur

Digitale Verwaltung ist mehr als ein Modernisierungsprojekt. Sie entscheidet über staatliche Handlungsfähigkeit, Vertrauen und die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen. Markus Naegeli, Geschäftsführer von Canon Deutschland, erläutert, warum digitale Souveränität vor allem eine Frage robuster Infrastrukturen, klarer Standards und integrierter Architekturen ist.

Von Dr. Markus Naegeli
· 2026

Kontakt

Canon Deutschland GmbH
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E-Mail: presse@canon.de
Web: https://www.canon.de

Erschienen in

Digitale Souveränität

am 23. März 2026 in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Die US-Regierung hat deutlich gemacht, dass sie ihrem Streben nach Größe und Stärke alles andere unterordnet. Dies betrifft nicht nur Zölle und Territorium, sondern auch Handelsverträge und internationales Recht. Und die IT-Wirtschaft in den USA folgt. Aufgrund des...
Bild: Canon
Herr Naegeli, 2026 wird die digitale Verwaltung politisch so intensiv diskutiert wie lange nicht. Was steht auf dem Spiel?

Es geht längst nicht mehr nur um effizientere Abläufe, sondern um die Fähigkeit des Staates, effizient und verlässlich zu handeln. Wenn Informationen nicht sicher, nachvollziehbar und ohne Medienbrüche fließen, entstehen Verzögerungen, zusätzliche Kosten und Vertrauensverlust. Das Risiko für Datenschutzverletzungen steigt. Digitale Souveränität ist deshalb Grundlage staatlicher Handlungsfähigkeit. Mit dem neuen Bundesministerium für Digitales ist das Thema politisch sichtbarer geworden. Entscheidend ist nun, aus Programmen belastbare Betriebsmodelle zu entwickeln. Verwaltung braucht weniger Pilotprojekte und mehr Lösungen, die im Alltag skalieren.

Wie weit ist die Verwaltung auf diesem Transformationspfad?

Der Handlungsdruck ist hoch. Steigende Aufgaben, knappe Ressourcen und demografischer Wandel treffen auf historisch gewachsene Strukturen. Digitalisierung gilt als Antwort, doch digital bedeutet nicht automatisch einfacher. Fortschritt entsteht erst, wenn Prozesse konsequent neu strukturiert, Zuständigkeiten geklärt und Abläufe konsequent Ende-zu-Ende gedacht werden.

Warum bleibt diese Durchgängigkeit so schwierig?

Die größte Hürde ist nicht Technologie, sondern Komplexität. Unterschiedliche Zuständigkeiten und heterogene IT-Landschaften führen zu neuen Insellösungen. Erfolgreiche Modernisierung braucht deshalb ein klares architektonisches Zielbild, das Organisation, Prozesse und Infrastruktur zusammenführt.

Sie sprechen davon, dass digitale Souveränität Infrastrukturkompetenz erfordert. Welche Rolle spielt dabei das IT-Kompetenzcenter in Dresden?

Das Kompetenzcenter steht für den Anspruch von Canon, Infrastruktur ganzheitlich zu denken. Dort bündeln wir Expertise aus Workplace, Datacenter, Netzwerk und Security, um integrierte Betriebsmodelle zu entwickeln – von hybriden Cloud-Architekturen bis zu IT-as-a-Service. Für Behörden bedeutet das Verlässlichkeit: eine konsistente Sicherheitsarchitektur, klare Verantwortlichkeiten und ein Betrieb, der langfristig planbar bleibt. 

Damit digitale Lösungen über einzelne Bundesländer hinweg skalieren können, braucht es zudem gemeinsame Standards und Schnittstellen. Infrastrukturkompetenz bedeutet für uns, Architekturen so zu gestalten, dass sie zukunftsfähig sind und sich gleichzeitig in bestehende Infrastrukturen integrieren lassen. Die regionalen Canon Business Center bilden dabei den operativen Anker, der Beratung, Architektur und Betrieb vor Ort verzahnt.

Hand mit Smartphone bedient Drucker
Wenn Informationen nahtlos fließen, entstehen Effizienz und Vertrauen. Bild: Canon
Welche Rolle spielt das Canon Ökosystem?

Digitale Verwaltung ist zu komplex für isolierte Lösungen. Deshalb verstehen wir unser Ökosystem als integriertes Kompetenznetzwerk, in dem spezialisierte Teams ihre Stärken in gemeinsame Architekturansätze einbringen. Das reicht von intelligenter Dokumentenerkennung und automatisierter Datenerfassung bis hin zu Sicherheitslösungen für kritische Infrastrukturen. Tochterunternehmen wie I.R.I.S. oder Axis leisten hier wichtige Beiträge. 

Entscheidend ist nicht die einzelne Lösung. Erst wenn Prozesse, Daten und Sicherheit integriert gedacht werden, entstehen skalierbare Strukturen, die sich in bestehende IT-Landschaften einfügen und konsistent betreiben lassen. Dieses orchestrierte Zusammenspiel ist ein zentraler Baustein digitaler Souveränität.

Welche Hebel versprechen kurzfristig Wirkung?

Digitale Poststellen, automatisierte Rechnungsverarbeitung und strukturierte Bürgerkommunikation zeigen schnell messbare Effekte. Wenn Informationen automatisch erfasst und weitergeleitet werden, verkürzen sich Bearbeitungszeiten und Qualität und Transparenz werden erhöht.

Welche Rolle spielen neue Betriebsmodelle wie Cloud oder IT-as-a-Service?

Hybride Infrastrukturen werden zum Regelfall, weil sie Skalierbarkeit und Flexibilität ermöglichen und gleichzeitig die IT-Last vor Ort senken. Voraussetzung sind höchste Sicherheitsstandards und klare Governance-Strukturen. IT-as-a-Service kann hier eine Alternative zu klassischen Beschaffungsmodellen sein, weil Betrieb, Security und Weiterentwicklung strukturiert gebündelt werden.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für die langfristige Tragfähigkeit moderner Verwaltungsinfrastrukturen?

Nachhaltigkeit entscheidet sich zunehmend im Lebenszyklus von Technologien. Refurbishing und Remanufacturing leisten einen messbaren Beitrag, weil sie Ressourcenverbrauch und Emissionen senken und zugleich die Abhängigkeit von volatilen Lieferketten verringern. In unserem Werk in Gießen wird dieser Anspruch konkret umgesetzt. Systeme werden wiederaufbereitet und in den Nutzungskreislauf zurückgeführt. 

Damit solche Modelle ihre Wirkung entfalten können, sollten sie in Vergabeverfahren stärker verankert werden. Sie machen Nachhaltigkeit umsetzbar und können öffentliche Infrastrukturen langfristig robuster und planbarer machen.

Wenn Sie auf die nächsten Jahre blicken: Welche Prioritäten sollte der Staat setzen?

Erstens: Verwaltung konsequent als integriertes System denken, mit durchgängigen Prozessen statt fragmentierten Einzellösungen.

Zweitens: verbindliche Standards und Architekturen, die Skalierung ermöglichen und Investitionen langfristig absichern. 
Drittens: Infrastruktur- und Sicherheitsfragen von Beginn an mitdenken. Verwaltungsmodernisierung ist keine Digitalinitiative, sondern ein Maßstab für Leistungsfähigkeit. Entscheidend ist, Strukturen so auszurichten, dass Staat und Verwaltung schnell, verlässlich und resilient handeln können.