Schlosssymbol, welches von menschlischer und Roboterfinger berührt wird

KRITIS-Sicherheit

Unsichere Komponenten in kritischen Infrastrukturen

Je mehr digital gesteuerte Geräte in den Telefonnetzen, in der Kanalisation, in der Verkehrssteuerung oder in Krankenhäusern verbaut oder genutzt werden, desto mehr steigen die Komplexität und das Risiko eines Angriffs. Denn jedes Device mit Onlinezugriff ist ein potenzieller Angriffspunkt. Die Betreiber sind laut KRITIS-Gesetz zum Schutz der gesamten Infrastruktur verpflichtet und müssen eine Strategie finden, um die unterschiedlichsten Devices zu kennen, zu schützen, zu managen.

Erschienen in

IT-Sicherheit

am 22. September 2025 in „Handelsblatt“
Nehmen wir endlich die große Gefahr zur Kenntnis, dass die europäische Wirtschaft, die Gesellschaft, die Universitäten und Forschungen wie auch die Technologien und die Kultur von außereuropäischen Angreifern beherrscht und zerstört werden können. Über...

Nach Schätzungen von Marktanalysten werden in diesem Jahr mehr als 40 Milliarden IoT-Devices – also digital gesteuerte Geräte mit Verbindung an Datennetze oder an das Internet – im Einsatz sein. Dazu zählen neben alltäglichen Geräten wie Smartphones, Autos, Smart-Home-Steuerungen auch unternehmenskritische Maschinen, Steuerungsanlagen und Roboter. Inzwischen gibt es Lagerhallen oder Produktionsstandorte, die vollständig automatisiert arbeiten und aus dem Homeoffice der Administratoren über Datennetze gesteuert werden. Doch schon das Smartphone zeigt, wie anfällig und riskant die Arbeit mit digitalen Devices ist. Nach wenigen Jahren stellen die Hersteller den Support und die Updates ein. Ab diesem Moment kann das Telefon zur Gefahr werden. Ohne Sicherheitsupdates werden Smartphone und auch Tablets der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Einfallstor in die Unternehmensanwendungen – Angreifer verschaffen sich auf diesem Weg den Zutritt in ERP-Systeme, Vertriebssysteme, E-Mail-Kommunikation.

KRITIS-Sicherheit: Politik diskutiert über sichere Komponenten

Noch kritischer sind all jene Komponenten, die direkt in die Infrastrukturen integriert werden und dort Systeme managen. Innerhalb der Netzwerke leiten und steuern sie Datenströme oder sind eben auch für die Sicherheit verantwortlich. So gab es Diskussionen bis hinauf ins Parlament und in das Bundeskanzleramt, ob der Einsatz von Hardware und Software bestimmter asiatischer Hersteller verboten werden soll – aus Furcht, in die Geräte könnten „Backdoors“ eingebaut sein.
Über diese Hintertüren können Unternehmen oder auch kriminelle Hacker und Geheimdienste den Telefon- und Datenverkehr mithören und mitschneiden und auch fälschen. Für die angreifenden Firmen kann diese Industriespionage ein lohnendes Zusatzgeschäft sein. Den Geheimdiensten wird es möglich, im richtigen Moment die gesamte Energieversorgung oder auch das Gesundheitssystem einer Region zum Kollabieren zu bringen. Genau dies ist innerhalb des viel zitierten Cyberwars einer der entscheidenden Angriffsvektoren.

 

Smartphones, Autos, Smart Homes gelten als Risiken für die kritischen Infrastrukturen.

KI-Agenten gehen auf Patrouille

Um ihre Pflichten aus der KRITIS-Gesetzgebung zu erfüllen, sind die Betreiber auf Automatisierung für das permanente Monitoring aller Komponenten angewiesen. Hierfür sind KI-Agenten auf Patrouille in den Netzwerken unterwegs. Sie kontrollieren nicht nur die Datenströme auf Eindringlinge oder aggressive Schadsoftware – sie dokumentieren und katalogisieren auch die zum Teil jahrzehntealten Systeme, für die es häufig keine Dokumentation oder Software-Updates mehr gibt.

Schon gewusst?

Die extrem schnelle Etablierung von künstlicher Intelligenz erfordert eine Neuaufstellung der Prozesse in den Abteilungen. Es geht insbesondere um Cybersecurity, Compliance und Copyrights. Ein Auslöser für den Erfolg der KI war, dass die Preise für enorme Rechenleistungen erschwinglich wurden. Dies erfolgte parallel zum Aufbau von großen Datenstrukturen, die riesige Datenmengen in speziellen Rechenzentren verarbeiten. In diesen Clouds werden Daten in einer bislang nicht vorstellbaren Geschwindigkeit strukturiert und ausgewertet. Der dritte Erfolgsfaktor ist die Fähigkeit, als Mensch mit diesen neuronalen Netzwerken über natürliche Sprache zu interagieren.

Die Mitarbeitenden nutzten und nutzen diese KI-Dienste der Drittanbieter, ohne zu bedenken, dass sie unternehmenskritische Daten in die Computer fremder Unternehmen füttern – und damit offensichtlich gegen eine ganze Reihe von Gesetzen, Compliance-Vorgaben, Richtlinien und Urheberrechte verstoßen. Viele CIOs sehen die Lösung dieser Cybersecurity-Mängel im Aufbau eigener KI-Instanzen, für die sie unternehmensspezifische Datenstrukturen anlegen.

Frau denkt nach
iStock/Jacob Wackerhausen

Die Rolle der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz

Die Digitalisierung bietet dem Mittelstand enorme Chancen. Laut dem KfW-Digitalisierungsbericht 2024 haben 35  Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Digitalisierungsprojekte abgeschlossen – ein Anstieg um 5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

KI-Prozesse im Unternehmen
iStock/NicoElNino

Künstliche Intelligenz (KI)

Besonders die Integration von Künstlicher Intelligenz kann Prozesse optimieren und neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Allerdings nutzen nur etwa 11  Prozent der mittelständischen Unternehmen KI-Technologien aktiv. 

Herausforderungen für kleine Unternehmen

Kleinere mittelständische Unternehmen stehen vor besonderen Herausforderungen:

  • Begrenzte Ressourcen: Weniger finanzielle Mittel für Forschung und Entwicklung.
  • Fachkräftemangel: Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu halten.
  • Regulatorische Hürden: Komplexe Vorschriften und Bürokratie erschweren Innovationsprozesse.

Diese Faktoren führen dazu, dass kleinere Unternehmen seltener Innovationen hervorbringen und somit ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährdet ist.

Handlungsempfehlungen für den Mittelstand

  1. Förderprogramme nutzen: Programme wie das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) bieten finanzielle Unterstützung für Innovationsprojekte.
  2. Kooperationen eingehen: Zusammenarbeit mit Start-ups, Hochschulen und Forschungseinrichtungen kann den Zugang zu neuen Technologien erleichtern.
  3. Digitale Kompetenzen stärken: Investitionen in die digitale Weiterbildung der Mitarbeiter sind essenziell.​​​​​​
  4. Innovationskultur fördern: Eine Unternehmenskultur, die Kreativität und Risikobereitschaft unterstützt, ist entscheidend für nachhaltige Innovationen
Veranstaltungskalender

Innovationstag Mittelstand 2025 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
5. Juni 2025
Tschaikowskistraße 49, 13156 Berlin
www.innovationstag-mittelstand-bmwk.de

Deutscher Mittelstands-Summit 2025
27. Juni 2025
Rheingoldhalle, Rheinstraße 66, 55116 Mainz
www.deutscher-mittelstands-summit.de

Innovation Day 2025
14. Oktober 2025
House of Communication München, Friedenstraße 24, 81671 München
www.innovationday.com

Zukunftstag Mittelstand 2025
9. April 2025
Station-Berlin, Luckenwalder Str. 4-6, 10963 Berlin
www.zukunftstag-mittelstand.de

Fazit: Zukunft sichern durch Innovation

Die Innovationskraft des Mittelstands ist ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Während große Mittelständler und Hidden Champions ihre Innovationsaktivitäten ausbauen, müssen kleinere Unternehmen gezielt unterstützt werden, um nicht den Anschluss zu verlieren. Durch die Nutzung von Förderprogrammen, den Ausbau digitaler Kompetenzen und die Förderung einer innovationsfreundlichen Unternehmenskultur kann der Mittelstand seine Rolle als Innovationsmotor weiterhin erfolgreich ausfüllen.

Mittelstand in Zahlen
3,5 Mio. KMU
gibt in Deutschland – das sind 99,3 % aller Unternehmen.

[1]

27 %
des Gesamtumsatzes wird durch KMU generiert.

[2]

16,2 Mio.
sozialversicherungspflichtige Beschäftigte arbeiten in Deutschland in KMU.

[2]

188.000 €
ist das durchschnittliche Investitionsvolumen pro KMU.

[3]

84 %
aller KMU sind Kleinstunternehmen (≤ 9 Mitarbeitende). Nur 2 % sind mittlere Unternehmen (50–249 Beschäftigte)

[4]