Bäume in einem Stadtpark
Mit Bäumen wohnen und arbeiten steigert die Lebensqualität.

Stadtbegrünung

Strategien für klimaresiliente Städte

Die Folgen des Klimawandels machen Menschen krank und töten. Hitze, Staub, Überflutungen vernichten Millionenwerte. Anscheinend wird nur der Wandel zu einer klimaneutralen Gesellschaft mit grünen Lebenswelten und -räumen das Kippen der Ökosysteme vermeiden. Dies erfordert tiefgreifende, schnelle und systemische Veränderungen, für die auf allen politischen Ebenen viel Geld bereitgestellt wird.

Christian Raum
· 2025
Erschienen in

Klimaschutz und Energiewende

am 21. Mai 2025 in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Mit welchen Methoden und Strategien die Bundesregierung die Klimaziele bis zum Jahr 2030 erreichen möchte, wird sie in den nächsten Wochen erklären. Für die Regierenden gilt es zu bedenken, dass Hunderttausende Menschen mit großem Mut und hohen Investitionen in neue...

Es gibt Methoden, den Klimawandel und seine Gefahren sehr plakativ darzustellen. Eine ist es, Aufnahmen einer Infrarotkamera zu zeigen, die mit einer Drohne über eine Stadt geflogen ist. Die rote Farbe der Infrarotaufnahmen steht für „zu heiß“, die blaue Farbe steht für „kühl“. Vor allem entlang der Hauptstraßen, auf Stadtplätzen oder in den Industriegebieten dominiert die Farbe Rot und zeigt damit eine direkte Bedrohung für Gesundheit und Leben der Menschen. Für viele politisch Verantwortliche sind diese Bilder ihrer Stadt ein unmittelbarer Auslöser zu handeln. Sie sehen den aktuellen Zustand insbesondere entlang von großen Straßen oder auf Industrieflächen, der vielen so nicht bewusst war: Im Sommer steigen die Temperaturen über dem Asphalt auf bis zu 50 Grad. Anhand einer Computersimulation lernen Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen dann, wie sie ihre Städte mit vergleichsweise wenig Aufwand herunterkühlen können.

 

Klimaresiliente Begegnungsorte haben eine hohe Aufenthaltsqualität.

Keinen Wassertropfen verlieren

Mit dem Pflanzen von Bäumen werden sie sehr schnell tiefgreifende Verbesserungen anstoßen. In der Simulation sehen sie, wie eine Baumreihe entlang der Bundesstraße die Temperatur um sechs bis sieben Grad senken kann. Und dies ist nur der Anfang. Im urbanen Raum gibt es etliche Möglichkeiten, die Temperaturen zu regulieren. Dazu zählen Dachbegrünung und Grün an den Fassaden, neu gepflanzte Baumgruppen in den Parks der Kommune oder auf dem Gelände der Industriebetriebe. Es ist faszinierend zu sehen, wie um die neuen Bäume herum kleine Ökosysteme entstehen. Die Pflanzen wandeln Sonnenlicht, Wasser und CO₂ in Sauerstoff und Energie um. Entlang der Straßen entstehen schattige Streifen. Die Temperaturen sinken, das Wohlgefühl steigt. Das Wasser läuft nicht mehr an der Oberfläche ab, sondern wird der Kommune für die weitere Begrünung zur Verfügung stehen. Jetzt ist es für die Pflanzen verfügbar. Und ganz nebenbei dekarbonisieren die Bäume die Stadtluft und leisten damit einen weiteren wertvollen Beitrag zur Klimastabilität.

Begrünte Fassade eines Hauses

Finanzierung mit staatlicher Unterstützung

Die Verantwortlichen in der Europäischen Union denken im größeren Maßstab als die Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen. Denn überall auf dem Kontinent droht ein unregelmäßiger und kaum vorhersehbarer Wechsel aus Hitze und Überflutung, Trockenheit und Sturm. Zusätzlich besorgniserregend ist, dass das Ausmaß des Klimawandels ungleich auf Menschen und Orte verteilt ist. Damit bringt die Überhitzung massive soziale Probleme. Bestimmte Regionen und ihre Einwohner sind von geografischen und sozialen Ungleichheiten betroffen. Sie werden nun zusätzlich unberechenbaren klimabedingten Risiken ausgesetzt. Mit großem finanziellem Aufwand unterstützt die Politik die Entwicklung und den Umbau hin zu klimaresilienten Städten. Von der Europäischen Union über den Bund bis hin zu den Bundesländern und unterschiedlichsten Regionen stehen Kommunalbeauftragten der Kommunen Programme und Fördergelder zur Verfügung.

Grüner Innenhof

Stadtbegrünung schafft schattige Begegnungsorte

Gefördert werden unter anderem die Ertüchtigung von Park- und Grünanlagen, die Entsiegelung und Begrünung von Frei- und Verkehrsflächen oder Maßnahmen zur Stärkung von Biodiversität. Darüber hinaus auch investive Maßnahmen – also Begrünungen und Entsiegelungen, die dem Umbau urbaner Quartiere oder von Stadtplätzen hin zu klimaresilienten, grünen Begegnungsorten mit hoher Aufenthaltsqualität dienen. Ziel dieser Programme ist es, lebenswerte Städte zu schaffen.

Quellen:

Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen: Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel
Europäische Kommission: The Cities Portal
Urban Innovative Actions