Muss wegen eines Hausbaus ein Baum gefällt werden, ist der Aufschrei der Anwohnerschaft zumeist groß. Schließlich spendet ein Baum nicht nur Schatten, sondern bietet auch Lärmschutz und ist Rückzugsort für Tiere. Zudem produzieren Linden, Eichen und Co Sauerstoff, speichern Kohlenstoff und filtern Staub. Unvorstellbar, wozu dann ein ganzer Stadtpark mit seinen Grünanlagen samt Büschen, Sträuchern und Rasenflächen in der Lage sein muss.
Städtische Grünflächen als Rückzugsort
Gerade seit dem ersten Lockdown hat die Bedeutung von öffentlichen Grünanlagen zugenommen – egal, ob für Menschen mit oder ohne Garten. Laut einer im vergangenen Jahr erhobenen repräsentativen forsa-Umfrage für die Studie der BGL-Initiative „Grün in die Stadt“ gaben 38 Prozent der Befragten an, mehrmals in der Woche Parkanlagen zu nutzen. Jedoch betonten 92 Prozent ebenso, dass mehr Grünflächen die Aufenthaltsqualität im urbanen Raum verbessern würde. Käme das so, würden mehr als zwei Drittel der Befragten länger in Städten verweilen. 73 Prozent denken sogar, dass mehr Grün das Shopping-Erlebnis aufwerten würde.
Begrünte Dächer: Lebensraum für Insekten
Doch nicht nur am Boden, auch auf Dächern kommen begrünte Flächen gut an. Der Bundesverband GebäudeGrün schätzt die Fläche der begrünten Dächer in Deutschland aktuell auf rund 130 Millionen Quadratmeter. Mehr als drei Millionen Quadratmeter davon entfallen auf München. Damit ist die bayerische Metropole Spitzenreiter, was die totale Fläche angeht. Berechnet man die Fläche an Gründächern pro Einwohner, führt Stuttgart mit 4,1 Quadratmetern das Feld an.
Das Gute: Wer auf Flachdächern eine Vegetationsfläche schaffen möchte, kann dies ohne großen Mehraufwand und Änderungen am Bauwerk tun. Angesichts der immensen Fähigkeit, Wasser zu speichern, hält die Dachbegrünung bis zu 90 Prozent der Niederschlagsmenge zurück und gibt sie durch Verdunstung dem natürlichen Kreislauf zurück. Begrünte Dächer sind zudem ein perfekter Wärmeschutz und ziehen unzählige Vögel, Wildbienen, Schmetterlinge und Laufkäfer an. Ganz davon abgesehen lassen sie sich optimal mit Photovoltaiktechnik kombinieren. Zum einen wird durch die Beschattung der Solarmodule eine größere Biodiversität ermöglicht, zum anderen kann die Vegetation zu einer höheren Effizienz der Solarzellen führen. Fachleute sprechen angesichts der kühlenden Wirkung, die durch die Verdunstung der Pflanzen entsteht, von einer vierprozentigen Leistungssteigerung der Anlagen.