Abhängigkeiten dort, wo es weh tut
In wichtigen Zukunftsfeldern hängen Unternehmen am digitalen US Tropf: 39,7 Prozent empfinden starke bis sehr starke Abhängigkeit bei Cloud Services, 39,5 Prozent in der Cybersicherheit, 36,6 Prozent bei KI Infrastruktur. In der Praxis nutzen nur 20,5 Prozent europäische Security Lösungen; bei KI Infrastruktur sind es 10,2 Prozent. Auch bei Cloud Anbietern liegt der EU Anteil unter 25 Prozent.
Ein Blick auf die „grünen Zonen“ relativiert wenig: In ERP und Finanzsoftware ist Europa stärker vertreten (39,6 Prozent bzw. 41,5 Prozent), dort fällt die wahrgenommene Abhängigkeit deutlich geringer aus. Diese Inseln bleiben jedoch nur Hoffnungsschimmer, solange Zukunftsbereiche wie Cloud, KI und Security fest in US Hand bleiben.
Wahrnehmungslücke: Des Kaisers neue digitale Kleider
Erstens: Viele Entscheider kennen europäische Alternativen kaum. In ERP, CRM und Finanzen nennen knapp die Hälfte konkrete Anbieter; bei Collaboration und KI liegt die Bekanntheit bei nur 21,8 und 21,9 Prozent. Selbst in der Cybersicherheit wissen nur 32,4 Prozent von europäischen Optionen. Sichtbarkeit entscheidet – wer Alternativen nicht kennt, migriert nicht.
Zweitens: Viele überschätzen die eigene Unabhängigkeit. Bei KI Infrastruktur nutzen nur 10,2 Prozent europäische Lösungen, doch mehr als die Hälfte bewertet die Abhängigkeit als schwach oder nicht vorhanden. Bei Security liegt die Nutzung europäischer Produkte bei 20,5 Prozent, trotzdem schätzen 47,2 Prozent die Abhängigkeit als gering ein. Souverän im Selbstbewusstsein, aber im digitalen Sinne weitgehend nackt.
Wechselbereitschaft: Mehrheit hält an US Lösungen fest
Nur 20,4 Prozent der befragten Unternehmen führen bereits europäische Lösungen ein; weitere 12,3 Prozent planen dies innerhalb der nächsten zwei Jahre. Gleichzeitig planen 47,7 Prozent gar keinen Umstieg, 17,4 Prozent sind unentschieden. Ein umfassender Trend zu mehr digitaler Souveränität ist bislang nicht zu erkennen.
Leistungsparität ist das wichtigste Kriterium: 69,9 Prozent würden auf europäische Software umsteigen, wenn sie dieselbe Funktionalität und Zuverlässigkeit bietet. Datensicherheit ist fast ebenso relevant (69,4 Prozent). Zwei Drittel (66,5 Prozent) wären bei deutlich niedrigeren Kosten bereit, zu europäischen Lösungen zu wechseln. Für 62,5 Prozent ist die garantierte Datenspeicherung in der EU ein entscheidendes Kriterium.