Allein in Deutschland kauft nach einer Berechnung der Umweltorganisation Greenpeace jeder Mensch im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr. Gleichzeitig landen zahlreiche ausgediente Textilien im Müll. Überquellende Altkleidercontainer an jeder Ecke zeugen von den Massen, die nicht nur in Großstädten jeden Tag entsorgt werden. Lediglich ein kleiner Prozentteil landet in gemeinnützigen Organisationen oder Secondhandläden und wird wiederverwendet. Ein Umstand, der vor allem auf Kosten des Klimas geht: Laut der Europäischen Union ist die Textilindustrie für rund 20 Prozent der weltweiten Wasserverschmutzung verantwortlich. Das Verbrennen der Altkleider im Ausland sorgt für zusätzliche CO₂-Emissionen.
Neue Technologien helfen
Das Recycling von Textilien ist meist kompliziert, aufwendig und teuer. Start-ups und Wissenschaftler setzen deshalb auf KI-Anwendungen, mit deren Hilfe Fasern sortiert oder aus Schnittabfällen neue Kleidungsstücke gefertigt werden. Ideen und Anwendungen, die ein Recycling selbst von Mischfasern möglich machen, gibt es also. Noch fehlt es aber schlicht an Recyclinganlagen, die eine Wiederverwertung im großen Stil ermöglichen könnten. Dabei können aus den Textilien nicht nur neue Kleidungsstücke, sondern auch Dämmstoffe oder Kofferraumauskleidungen entstehen.
Ideen und Anwendungen für ein Recycling von Mischfasern gibt es.
Textilrecycling: Was jeder Einzelne tun kann
Gegen die Kleiderberge soll auch eine neue EU-Richtlinie wirken. Sie hat zum Ziel, die Textilien recycelfähiger zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen Verbraucher alte Textilien nun getrennt sammeln. Heißt, auch Bettwäsche, Handtücher und andere Textilien müssen nun im Sammelcontainer entsorgt werden. Eine Regelung, die das Recycling der Textilien sogar noch erschweren könnte, landen nun doch auch verschmutzte oder beschädigte Kleidungsstücke im Container.
Umweltverbände plädieren dafür, die Lebensdauer der verarbeiteten Stoffe von Beginn an zu verbessern. Bis es so weit ist, kann jeder Verbraucher etwas für eine nachhaltigere Textilindustrie tun: zum Beispiel mit dem Kauf von hochwertiger Kleidung, die sich reparieren lässt. Auch Kleidungsstücke aus Monogewebe, die also aus einer einzigen Faserart bestehen, gelten als nachhaltiger als jene aus Mischgewebe.