Neue Wege zur Arbeit

Unternehmensmobilität

Neue Wege zur Arbeit

Diesel-Dienstwagen als Nonplusultra – das war einmal. Mobilitätsangebote in Unternehmen sind längst vielfältig und an die Bedürfnisse verschiedener Mitarbeitender angepasst. Angefangen beim E-Auto über das Mobilitätsbudget bis zum Jobticket: Wer nachhaltige und flexible Konzepte liefert, verbessert nicht nur die Klimabilanz der Firma, sondern gewinnt auch im Wettbewerb um die Fachkräfte der Zukunft.

JB
· 2025
Erschienen in

Mobilität

am 20. Oktober 2025 in „Handelsblatt“
In Deutschland denken viele Menschen zunächst ans Auto, wenn von Mobilität die Rede ist. Aus gutem Grund, denn die Fahrzeugindustrie ist eine Schlüsselbranche, die viel Beschäftigung schafft und für Wohlstand sorgt. Doch wenn wir den Blick zu sehr auf das klassische...

Eine aktuelle Elektromobilitätsstudie von Shell zeigt: Flottenkunden sind ein Motor der E-Mobi­lität und zugleich anspruchsvolle Nutzer. 80 Prozent der gewerblichen E-Auto-Fahrer wollen laut der Studie auch künftig vollelektrisch unterwegs sein. Ihr Profil unterscheidet sich deutlich von Privatkunden: Rund 36 Prozent der deutschen E-Auto-Fahrer nutzen das Fahrzeug beruflich, zwei Drittel legen dabei mehr als 15.000 Kilometer jährlich zurück, jeder Fünfte sogar über 30.000 Kilometer. Für zwei Drittel gehören Langstrecken mit regelmäßigem Ladebedarf längst zum Alltag. 72 Prozent der Flottenfahrzeuge werden vom Arbeitgeber gestellt, zumeist über Leasing, während nur 15 Prozent privat angeschafft werden, ein deutlich geringerer Anteil als bei Privatkunden. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Ladeinfrastruktur: Ladegeschwindigkeit (73 Prozent), Kosten (71 Prozent) und Zuverlässigkeit (69 Prozent) stehen im Vordergrund. Doch auch Komfort gewinnt an Gewicht: Shops und Gastronomie an Schnellladestationen werden für Pendler zunehmend zum relevanten Faktor.

Flotten als Treiber

Insgesamt geht ein erheblicher Teil der Neuwagen in Deutschland direkt in die gewerbliche Nutzung: Laut Kraftfahrt-Bundesamt waren 2024 rund zwei Drittel aller Neuzulassungen gewerblich. Firmen- und Dienstwagenflotten bilden darin ein zentrales Segment und treiben die Verbreitung von E-Autos voran. Hersteller platzieren neue Modelle häufig zuerst in diesem Markt, da hier Stückzahlen und planbare Laufzeiten sichere Kalkulationen erlauben. So beschleunigen Flotten nicht nur die Elektromobilität, sondern schaffen zugleich wichtige Grundlagen für den Ausbau von Ladeinfrastruktur. Doch der Boom birgt Risiken: Nach zwei bis drei Jahren wird eine große Zahl gebrauchter E-Autos zurück in den Markt gebracht. Hinzu kommen Unsicherheiten über Batteriezustand, Softwarestand und Ladefähigkeit.

 

Mobilität gehört zu den Benefits, die über die Arbeitgeberwahl entscheiden.

Unternehmensmobilität: Tipps für Fuhrparkmanager

Damit ein Umstieg auf grünere Flotten gelingt, ist vorausschauendes Management unverzichtbar. Zentral ist eine Total-Cost-of-Ownership-Analyse, die neben Anschaffung und Leasing auch Energiepreise, Wartung, Ladeinfrastruktur und Restwerte berücksichtigt. Laut DAT liegt der durchschnittliche Restwert dreijähriger E-Au­tos aktuell bei nur gut 50 Prozent des Neupreises. Dies ist ein Risiko, das einkalkuliert werden muss. Allerdings ist diese Zahl mit Vorsicht zu betrachten: Der tatsächliche Restwert hängt auch stark von Modell, Marke, Laufleistung oder Ausstattung ab. Abhilfe schaffen Batteriezustandsprüfungen, die Reichweite und Alterung dokumentieren. Ebenso wichtig ist der strategische Ausbau firmeneigener Ladepunkte mit Lastmanagement, kombiniert mit klaren Verträgen zu Softwarepflege oder Batteriegarantien. Wer darüber hinaus die Rotationszyklen klug plant und Fahrer gezielt schult, steigert die Akzeptanz und senkt die Kosten. So wird die Transformation planbar, und die Flotte bleibt auch im Wandel ein starker Wettbewerbsfaktor.

Mit Mobilitätskonzept punkten

Mobilität endet aber nicht bei der Flotte: Unternehmen, die Nachhaltigkeit ernst nehmen, integrieren Mobilitätskonzepte ganzheitlich in ihre Strategie. Eine neue Deloitte-Studie zeigt, dass klassische Dienstwagenprogramme zunehmend durch flexible Mobilitätsbudgets und multimodale Angebote ersetzt werden. Firmen bieten Mitarbeitenden statt eines eigenen Dienstwagens Zugang zu ÖPNV, Carsharing, E-Bikes oder On-Demand-Mobilität – je nach Bedarf. Wachsende Bedeutung haben dabei auch E-Lastenräder, Jobtickets für Bahn und Bus sowie Mikromobilitätsangebote wie E-Scooter oder Ridepooling. Die Herausforderung liegt in der Verknüpfung: Ein integriertes Mobility-Management muss alle Verkehrsströme von Dienstreisen bis zur Lieferlogistik im Blick behalten und sie an CO₂- und Kostenzielen ausrichten. Experten betonen, dass nur Unternehmen, die Mobilität als strategischen Bestandteil ihres Geschäftsmodells begreifen, langfristig wettbewerbsfähig bleiben.

Grafik: Alternative Antriebsarten im Fuhrpark deutscher Unternehmen

Mitarbeitende binden

Nachhaltige Mobilitätsangebote sind heutzutage also längst mehr als nur ein ökologisches Plus: Sie entscheiden darüber hinaus auch zunehmend über die Attraktivität von Arbeitgebern. Laut der Unternehmensberatung Roland Berger zählen Mobilitätsleistungen inzwischen zu den Top-5-Benefits neben Gesundheits- und Bike-Leasing-Programmen. In Zeiten des Fachkräftemangels erwarten Mitarbeitende flexible und nachhaltige Mobilitätskonzepte. Unternehmen, die solche Optionen bieten, senden ein klares Signal: Sie übernehmen Verantwortung für Umwelt und Lebensqualität, fördern Work-Life-Balance und stärken so Bindung und Loyalität. Mobilität wird damit zu einem strategischen Faktor im Wettbewerb um Talente und nicht nur zu einer Frage der Fortbewegung.