Die Möglichkeiten sind weit gefächert: Die Herausforderungen des Klimawandels und eine verbesserte Wasserqualität können mittels Digitalisierung ebenso bewältigt werden wie die Anpassung an demographische Veränderungen durch Einsparung und besseren Einsatz von Ressourcen oder die optimale Auslastung und Kontrolle von technischen Anlagen.
Internationale Ansätze in der Wasserbewirtschaftung
Auf europäischer Ebene ist die EU-Kommission daher bestrebt, die Digitalisierung der Wasserwirtschaft voranzutreiben, indem sie einen Aktionsplan für einen digitalen Binnenmarkt für Wasserdienstleistungen aufgelegt hat. Im darin enthaltenen ICT4-Water-Cluster haben insgesamt 300 Institutionen und Unternehmen gemeinsam an 30 von der EU finanzierten Projekten gearbeitet. Die Projekte zu digitalen oder smarten Lösungsansätzen reichen von der Überwachung der Abwasserbehandlung mittels smarter Technologie über Hochwasserrisikomanagement durch Frühwarnsysteme bis zur Einrichtung digitaler Plattformen, um beispielsweise Prozesse effizienter zu machen.
Konkret hat sich beispielsweise das Projekt INCOVER der Aufbereitung von Abwasser mit gleichzeitiger Rückgewinnung von biologischen Produkten gewidmet und bietet alternative Ansätze wie etwa eine kosteneffiziente und umweltfreundliche Biogasreinigungstechnologie zur konventionellen Abwasserbehandlung, die zur Erfüllung der weltweit immer strengeren Vorschriften beiträgt. Zusätzlich ist ein abwasserspezifisches Unterstützungssystem auf die INCOVER-Technologien zugeschnitten worden, das wirtschaftliche, umweltspezifische und soziale Aspekte in die Entscheidungen für ein Abwassermanagement einfließen lässt. Andere Projekte gehen auch über Europas Grenzen hinaus, denn die Thematik ist aufgrund des Klimawandels und der wachsenden Bevölkerung weltweit von Bedeutung. So werden im Rahmen des Projekts SWAMP Methoden des Internets der Dinge und Ansätze für eine intelligente Wasserbewirtschaftung und Präzisionsbewässerung vorgestellt, die zur Wasser-Ressourceneinsparung führen. Die daraus gewonnenen Resultate werden in Spanien, Italien und Brasilien ersten Praxistests unterzogen.
Kosten senken, Versorgung sichern
Die Versorgung mit Trinkwasser ist ebenfalls ein zentrales Thema. Hier kann Digitalisierung in Form von Smart Monitoring zur Versorgungssicherheit und zu Energie- wie Kostensenkung bei den Unternehmen beitragen. Sensoren erfassen beispielsweise Wasserverbrauch und -druck sowie die Systemleistung und machen so herkömmliche Wasserzähler überflüssig. Eingebunden in ein Netzwerk lassen sich langfristig Aussagen und Prognosen über den Wasserverbrauch treffen sowie Prozesse effizienter gestalten und Kosten reduzieren. Weitere digitale Lösungen wie Smart Metering ermöglichen eine elektronische Erfassung schleichender Leckagen und die automatische Registrierung von Rohrbrüchen durch intelligente Zähler.
Selbst die Pumpen lassen sich software-gestützt überwachen, steuern und vorausschauend warten, zumal ihnen eine wichtige Bedeutung bei der Versorgung zukommt. Üblicherweise auf den maximalen Verbrauch ausgelegt, ist der Pumpendruck entsprechend hoch, was die Leckage-Gefahr in den Rohren erhöht. Mittels digital gesteuerten Druckmanagements kann der Systemdruck stets auf einem optimalen Niveau gehalten werden, was die Versorgung der Verbraucher sichert, aber schädliche Druckspitzen vermeidet und Leckagen reduziert. Sogenannte konnektive Lösungen sorgen zudem dafür, dass die Gebäudeautomation, die Vernetzung technischer Anlagen, bei der Wasserversorgung mit einer Kontrolle per App verbunden ist.
Komfort und Kontrolle
Auf Verbraucherseite ergeben sich durch installierte Smart Meter Vorteile: Die Verbrauchsdaten für Wasser werden automatisch und präzise zum Stichtag an die Versorger übermittelt, doch gleichzeitig kann der Kunde seine Verbrauchswerte im Internet einsehen. Über tageszeitabhängige Preisvorteile wird er per Push-Nachricht informiert. Ferner können Verbraucher auch individuell Wassersensoren installieren, um ihren Wasserverbrauch zu erfassen und Wasserrohrbrüche im Haus mittels Alarm auf das Mobiltelefon frühzeitig zu erkennen.
Quellen:
Umweltbundesamt: Chancen und Herausforderungen der Verknüpfungen der Systeme in der Wasserwirtschaft (Wasser 4.0)
BDEW: Zur Digitalisierung in der Wasserwirtschaft
umweltwirtschaft.com: Versorgungssicherheit in der Wasserwirtschaft
industr.com: WASSER 4.0 IST MEHR ALS DIGITALE VERNETZUNG