Erde bei Nacht in Menschenhänden

Weltraumsicherheit

Nuklearer Albtraum: Atombomben im Orbit

Für Kommunikation und Navigation, Erdbeobachtung, Wettervorhersage oder Militär dienen Satelliten und Raumstationen als entscheidende Infrastruktur. Inzwischen sind Wirtschaft und Gesellschaft von der Weltraumtechnologie abhängig. Zwar ist im „Outer Space Treaty“ seit 1966 der Friede im Weltraum festgeschrieben – aber die NATO warnt, dass dieser Friede in Gefahr sei.

Christian Raum
· 2025
Erschienen in

Schutz und Sicherheit für Deutschland

am 9. Juli 2025 in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Sicher muss sich die europäische Politik der vergangenen Jahrzehnte den Vorwurf gefallen lassen, dass ein großer Teil der Verantwortlichen Bedrohungen, Gefahren sowie Risiken für Menschen und Staaten in der Union völlig falsch eingeschätzt hat. Dies gilt nicht nur mit Blick...

Es hat den Anschein, als würden große Teile des Erdorbits einer gewaltigen und tobenden Müllhalde gleichen. Allein im „erdnahen Weltraum“ haben Wissenschaftler mehr als 900.000 Teile Weltraumschrott aus rund 8.000 Tonnen unterschiedlichster Materialien gezählt und kartografiert. Hinzu kommen geschätzte Hunderte Millionen Teile, die gerade mal einige Millimeter groß sind. Dieser Schrott – vom winzigen Lackpartikel bis zu ausgebrannten Raketentriebwerken – rast als gigantische Wolke mit mehreren Zehntausend Kilometern pro Stunde um die Erde, die kreist wiederum mit 107.000 Kilometern in der Stunde um die Sonne.

Die Lebensspanne des Mülls erstreckt sich über viele Menschengenerationen hinweg. Denn das typische Ende eines Stückchens Weltallmüll ist dessen Sturz in weiten Spiralen in Richtung Erde. Ein Satellit verglüht in der Atmosphäre, größere Konstruktionen wie ausgemusterte Weltraumstationen fallen ins Meer.

Ewigkeitsmüll im Weltall

Offensichtlich ist die Staatengemeinschaft aufgerufen, den Orbit zu entmüllen. Hierzu wären allerdings internationale Abkommen nötig, die Schutz und Sicherheit der benötigten Infrastruktur garantieren. Doch es scheint ein verblassender Traum zu sein, den Weltraum zukünftig als sicheren und friedlichen Space zu nutzen.

 

Womöglich kreist eine nukleare Sprengkopfattrappe im Orbit.

Denn nach Darstellung von NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat die Militarisierung bereits begonnen. Im April 2025 erklärte er, nach seiner Kenntnis prüfe Russland die Möglichkeit, Atomwaffen im Weltraum zu platzieren.

Weltraumsicherheit: Militär beobachtet verdächtige Satelliten

Die Militärs beobachten den russischen Satelliten Cosmos 2553, seit er im Februar 2022 auf seiner Umlaufbahn um die Erde kreist. Nach derzeitigem Konsens handelt es sich zwar nicht um eine aktive Antisatellitenwaffe. Tatsächlich ist es wohl eher ein Testsatellit, der mit einer Sprengkopfattrappe ausgestattet sein könnte.

Anscheinend gehen US-Regierung und NATO davon aus, dass Moskau in absehbarer Zeit einen oder mehrere Satelliten mit einem echten Atomsprengkopf bestücken könnte. Die Drohung ist, dass eine nukleare Explosion im Orbit einen großen Teil der Satelliten-Infrastruktur zerstört, Navigation und Kommunikation ausschaltet und den Orbit in ein gigantisches rotierendes und radioaktives Trümmerfeld verwandelt.

Schon gewusst?

Die von der EU-Kommission zur Verfügung gestellten Milliarden sollen auch unterstützen, die Selbstschutzfähigkeiten von Weltraumressourcen sicherzustellen. Eine gute Möglichkeit für die Hightech-Industrie, ihre Produkte anzubieten: Das Weltraumkommando der Bundeswehr benötigt beispielsweise Lasertracking-Sensoren, weltraumgestützte Sensoren, 3D-Sichtsensoren, optische Kameras, Radar, Entfernungsmesser oder Spektrometer. Diese Instrumente sollen unter anderem Informationen zur Charakterisierung von Weltraumobjekten liefern und die Genauigkeit geschätzter Umlaufbahnen oder deren Änderungen verbessern.