Modell von Holzhäusern und Bäumen

Zirkuläres Bauen

Schrauben statt kleben

Kreislaufwirtschaft am Bau ist nicht länger Vision, sondern handfeste Strategie gegen Ressourcenknappheit und CO₂-Druck. Wer frühzeitig auf Wiederverwendung, umweltfreundliche Materialien und geprüfte Standards setzt, vermeidet nicht nur Emissionen, sondern sichert auch die Wirtschaftlichkeit künftiger Bauprojekte.

JB
· 2025
Erschienen in

Circular Economy

am 20. Oktober 2025 in „Handelsblatt“
Für den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft gibt es mehrere Motive. Der Umweltschutz ist traditionell ein ganz wesentlicher Treiber. Angesichts der zunehmenden geopolitischen Spannungen muss das Thema aber auch unter dem Aspekt der Abhängigkeit von wertvollen und seltenen Rohstoffen gesehen...

Die Zahlen des „Sustainable Construction Barometer 2025“ sind eindeutig: 87 Prozent der Befragten fordern in der aktuellen Branchenumfrage, dass nachhaltiges Bauen schneller Realität wird. In Deutschland setzt die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie den Rahmen: Demnach soll sich der Pro-Kopf-Rohstoffverbrauch bis 2045 halbieren. Praktisch heißt diese Vorgabe unter anderem: Gebäude müssen so entworfen werden, dass Bauteile sich wiederverwenden lassen, Materialpässe sind schon in der Planungsphase zu verankern, sortenreine Trennung ist bereits auf der Baustelle zu organisieren und Herstellern per Rücknahmeverträgen Verantwortung zuzuschreiben. Klar ist: Wer heute baut, entscheidet über den Ressourcenverbrauch von Jahrzehnten – und bestimmt auch, welche Materialien wiederum in Jahrzehnten in den Recyclingkreislauf kommen werden.

 

Wer heute baut, entscheidet über den Ressourcen­verbrauch von Jahrzehnten.

Zirkuläres Baunen: Grüne Werkstoffpalette

Ein zentraler Faktor für zirkuläres Bauen und Wohnen sind grüne Materialien. Holz etwa überzeugt mit CO₂-Speicherung, Leichtigkeit und Modularität. Lehm punktet mit geringen Umweltlasten, angenehmem Raumklima und reversiblen Verbindungen, ideal also für Innenausbau und Sanierung. Auch recycelter Beton, CO₂-reduzierter Zement oder biobasierte Dämmstoffe von Hanf bis Zellulose gehören zur nachhaltigen Werkstoffpalette. Klar muss in diesem Kontext sein: Je leichter sich Materialien und Baustoffe sortenrein trennen und recyceln lassen, umso größer ist die Chance für den erneuten Einsatz.

Grafik Kreislaufgerechtes Bauen erfordert den Blick auf den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes und darüber hinaus

Standards als Wegweiser

Damit Nachhaltigkeit mehr ist als eine schöne Broschüre, braucht es gleichzeitig verlässliche Maßstäbe. So hat die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit einem Expertennetzwerk aus Wissenschaft und Praxis im vergangenen Jahr einen übergeordneten Qualitätsstandard zur Bewertung der Zirkularität von Bauwerken entwickelt. „LEED v5“ ist die neueste Version des LEED-Zertifizierungssystems für nachhaltiges Bauen.

Das grüne Bauen wächst rasant in Europa: Über 6.000 zertifizierte Projekte mit mehr als 110 Millionen Quadratmetern Fläche belegen die Nachfrage nach international anschlussfähigen Benchmarks. Auf Produktebene etabliert Cradle to Cradle verbindliche Kriterien für Materialkreisläufe, Energie oder soziale Aspekte. Zusammen bilden diese Labels ein gutes Orientierungssystem für das Bauen und Wohnen der Zukunft.