Was in der Coronapandemie begann, gilt heute als bewährtes Mittel, wenn es darum geht, die Lebensqualität in Städten zu erhöhen: die Verschlankung urbaner Straßen zugunsten von Radfahrenden und zu Fuß Gehenden sowie des öffentlichen Nahverkehrs. In vielen Großstädten verschwinden deshalb vermehrt Parkplätze und machen Platz für Rad- oder breitere Gehwege, aber auch für Grünflächen. Ein Umdenken ist dringend notwendig, nehmen Autos doch rund drei Viertel der Straßenflächen für sich ein. Flächen, die unter anderem zur Nachverdichtung in den Großstädten gebraucht werden. Damit die Umverteilung des Straßenraums für alle einen Mehrwert hat, bedarf es aber langfristiger Planungen und guter Begründungen. Zu den Aufgaben der Stadtplanung gehört deshalb die Arbeit an Konzepten, die den Verkehr so sicher und effizient wie möglich machen – und zwar für alle Menschen, die am Verkehr teilnehmen.
Zukunftsmobilität: Auch ohne Auto mobil bleiben
Die Abkehr von der autozentrierten Stadt soll urbane Räume lebenswerter und sicherer, aber auch zukunftsfähiger machen. Das Umweltbundesamt setzt deshalb auf das Konzept der „Stadt der kurzen Wege“. Die durchschnittliche Weglänge soll demnach nur noch acht Kilometer pro Weg beziehungsweise 28 Kilometer pro Person und Tag betragen und damit um ein Viertel kürzer sein als heute. Eine zentrale Rolle in dieser Vision nehmen Fahrräder ein, gelten sie doch als effizientestes Fortbewegungsmittel in der Stadt. Auf Radschnellwegen geht es mit dem eigenen Rad oder dem geliehenen E-Bike schnell durch urbane Zentren oder ins Umland, so die Vorstellung. Vorbilder dafür finden sich in Dänemark, aber auch in Baden-Württemberg. Als Paradebeispiel einer menschenzentrierten Stadt gilt aber vor allem Paris, wo sämtliche Parks, Gesundheitseinrichtungen und Sportstätten künftig in 15 Minuten – mit dem Rad oder öffentlichem Nahverkehr – erreichbar sein sollen.
Mehr Raum für Fußgänger
In der französischen Hauptstadt wird auch deutlich, wie eine Umverteilung des Straßenraums nicht zwangsläufig auf Kosten von Fußgängern gehen muss: Mehr als 100 Hektar neue Fußgängerzonen entstehen dort bis zum Jahr 2030. Auch in Hamburg und Berlin wird über neue Fußgängerzonen und zumindest zeitweise für den Verkehr gesperrte Spielstraßen diskutiert. Auch der Straßenraum für bewegte Fahrzeuge muss in der Stadt der Zukunft nicht zwangsläufig minimiert werden. Vielmehr geht es Stadtplanern um den Straßenraumanteil, den parkende Autos einnehmen.
Grüne Investitionen in die Zukunft
In den Fortschritt des wichtigsten Verkehrsmittels der modernen Städte, des Fahrrads, wird investiert. So gibt es immer mehr Angebote von Share-E-Bikes oder Lastenrädern. Gleichzeitig werden die Akkus der motorisierten Räder leichter und reichweitenstärker. Großstädte wie Berlin planen zudem den Bau von zahlreichen Radschnellwegen und mehr Abstellmöglichkeiten für Räder, die Menschen in den Außenbezirken ein umweltfreundliches und schnelles Pendeln ermöglichen sollen. Eine wichtige Rolle bei der Neuorganisation der Mobilität spielen Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden die Arbeit im Homeoffice sowie Jobtickets oder Leihräder anbieten und sich somit für eine nachhaltigere Mobilität einsetzen.